
Gudrun Selinger (23.12.1942 – 3.12.2025)
Schon in jungen Jahren erlebte sie Vertreibung, den Neuanfang in ärmlichen Verhältnissen und den Tod ihres Bruders wegen fehlender Antibiotika. Die Familie zog wegen der Arbeit von Weimar nach Magdeburg und Dresden. Auch in Dresden bekam Gudrun schnell wieder Kontakt zur katholischen Pfarrei und erfuhr hier zum ersten Mal von der Fokolar-Bewegung. Dieses Leben sprach sie an.
Gudrun hat eine Ausbildung zur MTA und das Studium zum Chemieingenieur im medizinischen Bereich in Halle gemacht. In der noch jungen Gruppe der Fokolar-Bewegung der Region Leipzig/Halle erschlossen sich ihr intensive Begegnungs- und Lebenserfahrungen. Sie konnte die ersten Fokolarinnen und Fokolare persönlich kennenlernen, die Chiara Lubich nach Leipzig und Halle – hinter den sogenannten Eisernen Vorhang – entsandt hatte.
Gudrun spürte, dass sie von Gott gerufen war, mit den Menschen der Fokolar-Bewegung zu leben, aber nicht im Fokolar. Nach und nach zeigte sich ein weiterer, ganz neuer Weg: die Freiwilligen. Auch Gudrun spürte diesen Wunsch: Sie wollte in der Welt leben, sich täglich neu für Gott entscheiden, Augenblick für Augenblick, um IHN in diese Welt und zu den Menschen zu bringen. Sie lebte das in ihrem Beruf, zunächst in Halle im Forschungsinstitut und später in der Universitätsklinik Leipzig sowie in ihrem gesamten Lebensumfeld. Gemeinsam mit den Freiwilligen suchte sie Wege, um Wort für Wort des Evangeliums mit Leben zu füllen. Später übernahm sie viele Jahre für alle Freiwilligen in der ehemaligen DDR Verantwortung und gab ihre Erfahrungen an die jüngeren weiter.
Besonders im Alter, im Betreuten Wohnen, spürte Gudrun intensiv: „Meinen Nächsten darf ich mir nicht aussuchen. Es ist der Mensch, den mir Gott jetzt, in genau diesem Augenblick, schickt. Ihm, nur diesem, soll ich jetzt in Liebe begegnen.“ Das tat sie immer und immer wieder. Sie trug mit viel Geduld ihren schmerzhaften Wirbelsäulen- sowie Ellenbogenbruch. Nach kurzer akuter Krankheit verstarb sie durch die Sakramente vorbereitet und begleitet durch eine Fokolarin und eine Freiwillige in Leipzig.
Zusammengestellt von Elisabeth Kuschnik, Petra Pietzonka; Foto: privat
Tipp: Lies dazu auch die Geschichte: „Was ein Grabstein vom gemeinsamen Leben der Freiwilligen in der DDR erzählen kann…„