Die sechs Frauen und sechs Männer, die die deutschen Kommentare zum „Wort des Lebens“ schreiben, geben Einblicke, wie es ihnen damit geht.
Bei den Rückmeldungen zu den neuen Kommentaren tauchte immer wieder die Frage nach den Menschen hinter den Namen auf. Interessanterweise kam sie fast ausschließlich von Angehörigen der Fokolar-Bewegung, was vielleicht auch darauf zurückzuführen ist, dass
Außenstehende auch jene Namen nichts sagten, die bisher unter den internationalen Kommentaren standen. (s. dazu auch: „Hoher Stellenwert für viele“)
Nach der bisherigen Erfahrung im Team der Autorinnen und Autoren war es ihnen ein Anliegen, dabei vor allem das zu teilen, was sie mit dem „Wort des Lebens“ verbindet, wie sie damit leben oder wie es für sie ist, an diesem Projekt mitzuarbeiten.
zusammengestellt von Gabi Ballweg (alle Fotos: privat)
Für mich war das Wochenende eine sehr bereichernde Erfahrung von Einheit in Verschiedenheit. Zunächst einmal die Verschiedenheit der biblischen Worte, von denen jedes in seinem eigenen Kontext und mit seiner eigenen Prägung zur Sprache kommen durfte. Und dann v.a. die Vielfalt an Resonanzen, die jede und jeder von uns einzubringen hatte.
Wir sind ja eine sehr bunt gemischte Gruppe. Und doch: im Aufeinander-Hören kristallisierte sich aus der Vielfalt (oft mit überraschender Leichtigkeit) eine gemeinsame „Überschrift“ hervor, eine Richtung, in die der Kommentar des jeweiligen Monats gehen könnte. Ich hoffe, dass etwas von diesem Prozess in den einzelnen Worten des Lebens durchscheint.
Janina Hiebel, Ottmaring


Das Leben mit dem Wort gibt meinem Leben eine Richtschnur, wie ich heute als Christin leben kann. Ich kann jederzeit auf die Worte der Bibel zurückgreifen. Einzige Bedingung: Ich muss offen sein und bereit sein, mein Leben mit dem Wort Gottes zu konfrontieren.
Die Aufgabe, den Kommentar zu schreiben, bin ich mit großem Respekt angangen. Wie finde ich die richtigen Worte für möglichst viele Menschen? Mein Wunsch ist schon, dass die Leserinnen und Leser von den Worten angerührt werden, so dass die Sehnsucht nach Gott geweckt bzw. gestärkt wird. Aber dieses Vorhaben ist so groß, dass mir schon zunächst der Atem gestockt hat.
Ich fühle mich jedoch sehr beschenkt, dass ich dabei sein konnte. Die Zusammenarbeit an dem Wochenende hat mich sehr fasziniert, da wir eine so bunte Gruppe waren, ein Dogmatiker, Exegeten des Alten und Neuen Testamentes, Studentin, Musiker, Evangelische und Katholische, junge und ältere Menschen. Sich mit so unterschiedlichen Personen über die einzelnen Worte des Lebens Gedanken zu machen, war für mich sehr beeindruckend und hat mir viel Freude gemacht.
Regina Ingelmann, Hannover

Aus meiner Tätigkeit in der Seelsorge kenne ich bei mir die Gefahr, mit dem Wort Gottes nur pastoral umzugehen, es anderen zuzusagen und dazu zu predigen und den ganz persönlichen Bezug aus den Augen zu verlieren.
Derzeit bin ich für meine Doktorarbeit in Rom. Während des Studiums merke ich oft die Herausforderung, mich vom Wort Gottes auch persönlich anfragen zu lassen. Ich spüre, dass es mir etwas zeigt über mich, über nächste Schritte über das Leben.
Dass ich Teil des Projekts sein darf, freut mich sehr, weil ich die Initiative großartig finde. Schon oft habe ich in meinem Leben erfahren, dass ich von Erfahrungen und Zugängen, die andere zum Wort Gottes hatten, persönlich profitieren konnte.
Michael Berentzen, Rom, Münster

Als Pastor der Evangelisch-Reformierten Kirche der Schweiz habe ich mich – nicht zuletzt als Direktor der Schweizer Bibelgesellschaft – „beruflich“ intensiv mit dem Wort Gottes auseinandergesetzt.
Dennoch kann ich sagen: Das „Wort des Lebens“ hat meinem spirituellen Leben neue Kraft verliehen und mir ermöglicht, meine Bibellese sowie meine Beziehung zu anderen und zu Gott zu vertiefen. So ist es und die Praxis der Lectio divina zu den tragenden Säulen meines spirituellen Lebens geworden.
Das „Wort des Lebens“ ist auch zu einem festen Bestandteil meines Ehelebens geworden. Vor dem Wort hielten meine Frau und ich inne und konnten nicht nur unsere Erfahrungen, sondern auch unsere Gefühle, unsere Sorgen und unsere Freuden miteinander teilen. Dadurch wurde die Einheit unserer Ehe gestärkt. Wir teilten es auch in einer Gruppe, die sich jeden Monat bei uns zu Hause traf.
Martin Hoegger, Lausanne
Unmittelbar nach dem Abitur 1973 lernte ich bei einem Sommertreffen der Fokolar-Bewegung in Kempten das „Wort des Lebens“ kennen.
Es begleitet mich seit über einem halben Jahrhundert.

Über 40 Jahre durfte ich das Wort Gottes auch Studierenden erschließen (in Eichstätt, Mainz, Jerusalem …), von 2000 bis 2021 vor allem an der Universität Augsburg. Dabei ging und geht mir mehr und mehr auf, dass das Wort Gottes, zumal in Zeiten der Krise, einen verlässlichen Grund für das Leben schenkt. Und – es ist eine transformierende Kraft, die neues Leben hervorbringt.
So ist es eine bleibende Herausforderung und eine Begegnung mit den eigenen Grenzen, das im Wort pulsierende Leben aufzunehmen, den Herzschlag danach auszurichten und weiterzugeben – manchmal zitternden Herzens.
Franz Sedlmeier, Ingolstadt
Derzeit wohne ich zum Studium in Wien (davor in Bensheim in der Nähe von Darmstadt), komme aber aus Portugal.
Mit den Gen haben wir uns in Wien immer wieder einmal getroffen, um das „Wort des Lebens“ gemeinsam zu lesen und zu besprechen. Das war jedes Mal ein guter Anlass in die Tiefe zu gehen. Es entstehen dann sehr besondere Gespräche.
In dem Team für die Kommentare dabei zu sein, war am Anfang ein kleine Challenge für mich. Aber ich habe unglaublich viel gelernt. Es gefällt mir sehr, dass wir aus verschiedenen Generationen sind. Unser Überlegen empfinde ich als sehr produktiv, auch weil wir unterschiedliche Perspektiven haben und sehr viel voneinander lernen können durch die große Expertise.
Mariana Lufinha, Wien


Seit ein paar Jahren begleitet mich, was mir eine befreundete Pfarrerin aus meiner Stadt einmal erzählt hat: In der jüdischen Tradition wird die Schrift wie das Treffen zweier Feuer gesehen:
Da ist das „schwarze“ der Buchstaben und das „weiße“ des Papiers, also aller Zwischenräume. Zu diesen gehören auch alle Gedanken in meinem Leben und das Feuer des Lebens der Lesenden. Die Dynamik beider Feuer ist das, was die Schrift will. Sie WILL mit uns in Resonanz treten.
Deshalb versuche ich, das Wort immer wieder mit meinem echten, ehrlichen Leben in Beziehung zu setzen und das ist auch das, was ich den Lesenden der Kommentare wünsche. Mich fordert es heraus, hier mitzuschreiben. Und ich mag es. Denn ich verstehe vielleicht noch wenig von dem schwarzen Feuer. Aber ich glaube, dass das Wort bei jeder und jedem von uns geschehen will!
Ulrike Egermann, Hamm

Für mich ist das Kommentar-Schreiben eine intensive Auseinandersetzung mit dem Wort. Nicht nur weil ich mich – mehr als sonst – mit dem exegetischen Hintergrund beschäftige oder es genauer lese. Es begleitet mich im Alltag, und wenn es dann im Gottesdienst vorgelesen wird, ist es wie einen alten Bekannten zu treffen.
Beim Schreiben leiten mich verschiedene Fragen:
1) Welche frohe Botschaft steckt in diesem Wort bzw. Textabschnitt? – Und diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten.
2) Was hat dieser Text mit meinem Leben zu tun?
3) Wie kann ich meine Gedanken für möglichst viele verständlich ausdrücken?
Den von mir geschriebenen Kommentar habe ich dann den Fokolarinnen in meinem Fokolar zu lesen gegeben. Zwei von ihnen haben mir Rückmeldung gegeben: und obwohl sie beide sehr unterschiedliche Personen und Charaktere sind, gingen ihre Anmerkungen in die gleiche Richtung. So ist der Kommentar nicht nur Ausdruck von mir, sondern von einigen mehr.
Claudia Hubert, Innsbruck

Mit dem Wort des Lebens bin ich groß geworden – und zugleich auch klein. Denn das Wort Gottes hilft mir, Ihn die Mitte meines Lebens sein und damit Ihn groß werden zu lassen.
Durch die Erfahrung mit den „Wort des Lebens“-Kommentaren in unserer Zone – wenn wir als Autorinnen und Autoren zusammenkommen und durch die Rückmeldungen von den Leserinnen und Lesern – wird mir neu bewusst, wie sehr uns das Wort verbindet. Das Schreiben eines Kommentars erlebe ich dadurch als einen kommunikativen Prozess, bei dem ich gebe und gleichzeitig empfange.
Tobias Häner, Köln
Ich bin Simon, wohne in Köln und bin beruflich in der Musik- & Medienbranche “zuhause“. Dort habe ich alltäglich mit Menschen zu tun, denen (ebenso wie mir) Werte wie Freiheit, Vielfalt, Toleranz und Gerechtigkeit wichtig sind.

Auch mein Glaube sowie die Überzeugungen und Interpretationen, die ich als Autor im Rahmen des „Wort des Lebens“ einbringen darf, sind hiervon geprägt.
Ich fand es sehr spannend, herauszufinden, wie emotional es für mich ist, einen Kommentar für das „Wort des Lebens“ zu schreiben. Aber genau diese starken Emotionen, von Freude bis Wut, brauche ich für einen lebendigen Glauben, sonst kann ich’s auch sein lassen.“
Simon Deregowski, Köln
Die Einladung, beim Verfassen des Kommentars zum „Wort des Lebens „mitzuarbeiten, habe ich gerne angenommen.
Ich wollte dem Wort dadurch wieder konsequenter in meinem Leben einen Platz geben. Und ich wollte die Chance nützen, Gott zu Wort kommen zu lassen – nicht meinen Lieblingsgedanken oder mir vielleicht naheliegenden Ideen.
Bernd Körner, Graz


Als ich die Gen kennengelernt habe, haben wir die ‚Worte des Lebens‘ ganz intensiv gelebt und uns dazu ausgetauscht. Ich erinnere mich besonders an das Schriftwort „Wenn ich schwach bin, bin ich stark“. Ich musste in einer besonders schwierigen Situation zuhause anrufen und nur die Erinnerung an dieses Schriftwort gab mir den Mut, den Hörer in die Hand zu nehmen. Ich habe erlebt, wie die Schriftworte lebbar sind, auch heute aktuell, und meinen Alltag verändern.
Das gemeinsame Vorbereiten der Kommentare zum „Wort des Lebens“ war für mich eine ganz starke Erfahrung der Einheit und berührt mich immer wieder, wenn ich unsere Unterschiedlichkeit sehe, die ich so bereichernd finde.
Gleichzeitig hat es mich sehr herausgefordert, und ich habe mich anfangs völlig unfähig gefühlt. Immer bleibt auch das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein, nicht wirklich Worte zu finden, die den Lesenden Gott begegnen lassen. Nur wenn ich mich selbst von dem jeweiligen Schriftwort treffen lasse, es zu einer Begegnung mit Gott werden lasse, bin ich in der Lage, dazu etwas aufzuschreiben, das berührt.
Anke Husberg, Augsburg