Josef Slembrouck (14.10.1928 – 5.7.2024)
Ein schmales Schuhladenhaus in Antwerpen (Belgien) war das Elternhaus von Josef und den drei Geschwistern. Wie sein Großvater, der Schuhmacher, blieb er sein Leben lang ein Bastler. Der zweite Weltkrieg prägte ihn: Am 16. Dezember 1944 traf eine deutsche Rakete das vollbesetzte Kino, in dem auch der 16-jährige saß. 567 Menschen starben. Er selbst wurde nach zwei Stunden unverletzt geborgen. Zu Hause erzählte er … nichts! Seine Eltern hatten Kinobesuche verboten.
Josef studierte in Mecheln und diente der belgischen Armee. 1955 wurde er in die Nähe von Köln versetzt. Dort lernte er seine Frau Johanna kennen. Sie heirateten 1956. Bis 1961 kamen vier Kinder. Weil eines stark an Asthma litt, riet ihnen die Kinderärztin, umzuziehen. So zügelte die sechsköpfige Familie nach Buchs am Rhein. Die Schweizer Berge hatten gelockt und sollten bei Josef zu einer regelrechten Wandersucht führen. Zwei weitere Kinder wurden geboren. Fünf Fußminuten von zu Hause hatte Josef eine Stelle im Metallwerk Buchs gefunden. Später wurde er Leiter des technischen Büros für den glasfaserverstärkten Kunststoff, konstruierte Öltanks und Futtersilos. 1981 kündigte er und machte sein Hobby zum Beruf: die Malerei und die Kalligrafie (von Hand geschriebene Kunstschrift).
Im gleichen Jahr erwarben sie ein Einfamilienhaus in Haag. Das Leben blühte auf – aber nur kurze Zeit. Josef schrieb: „Ich war sehr dankbar, (…) eine wunderbare Frau gehabt zu haben, die unendlich viel gearbeitet, geliebt und leider auch gelitten hat.“ Denn 1984 wählte eine Tochter, nach langen Jahren der Depression, den Freitod. Ein Jahr später erlitt seine Frau einen schweren Hirninfarkt, der sie halbseitig lähmte und ihr die Sprache raubte. Josef pflegte sie bis zu ihrem Tod 1999. Die Kraft zog er aus seinem Glauben.
Das Malen hatte Josef schon 1970 begonnen. Rund zweitausend Bilder entstanden. Mit 33 Ausstellungen zeigte er vielen die faszinierende Landschaft des Rheintals und der Schweiz. Körperlich immer schwächer, spürte er den nahenden Tod und verabschiedete sich von seiner großen Familie. Er sehnte sich nach Jesus und nach seiner Hanne.
Zusammengestellt von Ingrid Schmid-Slembrouck; bearbeitet von Gabi Ballweg; Foto: privat