Die politische Landschaft in Deutschland ist polarisiert, Auseinandersetzungen auch im privaten Bereich gehören zur Tagesordnung. Mit einem echten Dialog hat das oft nichts mehr zu tun.
Ronny B. von der Pfarrbewegung in Hamburg fühlte sich bei einem Stammtischabend herausgefordert, Stellung zu beziehen.
Seit einigen Jahren lebe ich bei der Pfarrbewegung mit. Zusammen mit einem älteren Bekannten, der auch dort mitmacht, gehe ich darüber hinaus zu regelmäßigen Stammtischabenden bei einer Nachbarschaftsgruppe in Hamburg. Als im Januar dieses Jahres überall in Deutschland die großen Proteste gegen rechtsradikale Gedankenspiele über die Deportation von Ausländern losgingen, hat sich auch unsere Nachbarschaftsgruppe daran beteiligt. Das allerdings passte einigen eher rechts orientierten Mitgliedern überhaupt nicht.
An einem Abend nach der Kundgebung kam es dann zum großen Showdown. Es lagen heftige Auseinandersetzungen in der Luft. Wir zwei von der Pfarrbewegung versicherten uns unserer gegenseitigen Einheit und vereinbarten, uns zwar klar und deutlich einzubringen, aber uns auch gegenseitig zurückzuhalten, wenn einer von uns in der Diskussion zu scharf würde.
Vor allem meinem Bekannten, der sonst auch leicht laut wird, gelang es, sich immer wieder mit starker Überzeugungskraft einzubringen, ohne die andere Seite zu verletzen. Ich musste ihn nur einmal verdeckt kurz antippen, um ihn zurückzuhalten. Die leidenschaftliche Aussprache wogte hin und her und drohte mehrfach, völlig zu entgleisen, aber am Schluss gab es sogar versöhnliche Töne.
Am nächsten Tag rief mich der Leiter der Gruppe an. Er wollte sich bedanken, dass wir das Klima der Diskussion so positiv geprägt hätten. Zeitweilig sei er an diesem Abend kurz davor gewesen, alles hinzuschmeißen, aber dann hätte er sich inhaltlich von uns enorm getragen gefühlt und wieder Mut bekommen. Seitdem ruft er mich sogar häufiger an, um mich um Rat bezüglich der Nachbarschaftsgruppe zu fragen.
Ein Beitrag von Ronny B.. Symbolbild: AdobeStock_646015937 Simon