15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich auf den Weg, um mit der Dialog-Haltung von Klaus Hemmerle zu lernen, was heute in einer so vielfältigen und pulsierenden, postmodernen Stadt wie Berlin die Menschen beschäftigt und woraus sie leben.
Natürlich ist Berlin eine riesige Schatzkiste, aus der sich immer etwas Gutes heben lässt, aber die Dynamik in der Gruppe hat dazu beigetragen, dass die Verbindung von kulturellen und spirituellen Erfahrungen diese Tage so besonders machte.
Ein paar Aspekte aus dem Inhalt der Tage:
- Spuren Gottes an säkularen Orten entdecken
- Auf den Spuren der „DDR“ und
- auf den Spuren des Nationalsozialismus unterwegs sein.
Berlin zeigte sich als eine Stadt der Gegensätze: Wir haben viele Wunden dieser Stadt gesehen und entdeckt – ob aus der Gegenwart oder Vergangenheit – aber auch viel Schönes.
Sehr eindrucksvoll war die Präsentation von Professor Ulrich Engel über postmoderne Spiritualität in urbaner Situation, gefolgt von seiner Stadtführung, die uns neu sehen gelehrt hat: Wo sind Orte, die Normalität unterbrechen, Orte, die den Blick hinter das scheinbar Offensichtliche lenken. Unterbrechungen und Andersorte waren dabei wichtige Stichworte: Ein Ort definiert sich in Beziehung zu ANDERSORTEN, die es als soziale, gesellschaftliche, religiöse, personale kulturelle Tatsachen inmitten des Gewohnten gibt.
Ein weiteres Highlight war der Besuch in der „Manege“ – ein Projekt der Salesianer für Kinder und Jugendliche aus prekären Lebenssituationen in einem Brennpunktviertel der Stadt. Sie sind rund um die Uhr ansprechbar und bieten sehr konkrete Hilfe an. Tief berührt hat uns die Absichtslosigkeit dieser liebevollen Arbeit. Es geht nicht darum, zu missionieren, sondern einfach da zu sein für Menschen in Not. So „geht Kirche“ – war unser Eindruck.
Beeindruckend war auch die Führung in der Zionskirche durch einen ehrenamtlichen Küster, der sich selbst als atheistisch bezeichnet, aber begeistert vom Wirken Bonhoeffers erzählte und von der Zeit der Friedensgebete, des Widerstands und der Wende. Es gab einen Besuch am Andersort in der Bernauer Straße – ein Stück Todesstreifen. Neben der Kapelle der Versöhnung entdeckten wir zwischen den Mauern einen Gemeinschaftsgarten als Ausdruck von neuem Leben. Auch das ein Andersort.
Der Gang durch die Stelen der Gedenkstätte des Holocaust, die an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnern, war ein stiller „Gottesdienst“. Mit einigen haben wir diese Erfahrung ergänzt durch einen Besuch bei der Gedenkstätte der Wannsee-Konferenz. Es ist bedrückend zu sehen, wozu Menschen fähig sind, aber auch, wie lange es gedauert hat, um diese Auseinandersetzung zu ermöglichen.
Als Gruppe versuchten wir, alle Eindrücke und Fragen immer wieder Gott anzuvertrauen – ob im Gebet oder bei vielen wertvollen Gesprächen. Diese wirken noch lange nach.
„Die Tage waren für uns sehr tief, wertvoll, immer wieder mit ‚AHA – Erlebnissen‘. Es war eine klug ausgewählte Mischung von Information und Besichtigungen“, so schreibt ein Ehepaar aus der Schweiz. Und ein anderer Teilnehmer: „Bei vielen persönlichen Gesprächen und den Gebeten und Gottesdiensten im kleinen Kreis wehte (un-) merklich der Geist Gottes. Sehr schön, dass das Klaus-Hemmerle-Forum solche Begegnungen ermöglicht – sicher im Sinne von Klaus Hemmerle.“
Übrigens: Das Klaus-Hemmerle-Forum gibt auch einen Newsletter heraus, in dem auf kommende Veranstaltungen hingewiesen wird. Wer sich unverbindlich dafür anmelden will, findet die Möglichkeit dazu ganz unten hier auf der Seite unter der Rubrik „Newsletter“.

Ein Beitrag von Bernd Galluschke, zusammengestellt aus den Reflexionen der Teilnehmenden. Foto: Bernd Galluschke.