Eine tolle Truppe: Die Frauen und Männder aus dem D-A-CH, die an der Generalversammlung teilnahmen

„Was hat euch getroffen, gefreut, herausgefordert?“ – Erfahrungen und Eindrücke von Teilnehmenden an der Generalversammlung

Drei Wochen haben die 320 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Generalversammlung miteinander gelebt und gearbeitet. Einige der elf Personen, die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen haben, geben hier Anteil an ihren persönlichen Eindrücken und Erfahrungen dieser intensiven Zeit.
Die Angaben in den Klammern hinter dem Namen beziehen sich auf das Gruppenbild hier oben.


Überaus beglückend war es, zu erleben, dass sich erfüllt hat, was ich mir am meisten erhofft hatte, nämlich eine Überfülle an persönlichen, tiefen, herzlichen Begegnungen mit mir bis dahin unbekannten wunderbaren Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebensumständen, die mich sehr berührt haben. Jemandem zuzuhören, der von seinem Alltag in Aleppo oder Kuba erzählt, oder von einer Kommunität aus Ozeanien zu erfahren, deren Insel in den nächsten zehn Jahren aufgrund des Klimawandels verschwinden wird, das verändert mich.

Gleichzeitig konnte auch ich von meinem Erleben hier etwas mitteilen, was auf Resonanz gestoßen ist, oder mich musikalisch einbringen.

Bei der Gestaltung eines Gottesdienstes mit deutschen Liedern: Christian Kewitsch am Klavier

Insgesamt habe ich die Atmosphäre als sehr wohlwollend und konstruktiv erlebt, was sich für mich darin widergespiegelt hat, wie mit den fraglos vorhandenen Unzulänglichkeiten im Programm oder bei der Kommunikation umgegangen wurde.

Wir sind wirklich sehr verschieden. Klingt banal, wurde aber überaus deutlich, in dem was wir sagen und wie wir es ausdrücken. Die Art und Weise, wie das Schlussdokument erarbeitet und am Ende von einer großen Mehrheit mitgetragen wurde, ist für mich ein hoffnungsvolles Zeichen, dass wir in der Lage sind, Einheit in Verschiedenheit zu leben.

Bei der Methode des „Gesprächs im Geist“ ist mir aufgefallen, dass es auch für uns „Profis einer gemeinschaftlichen Spiritualität“ ein Lernprozess ist, einander wirklich zuzuhören, ohne das Eigene unter den Teppich zu kehren.

Nach den drei Wochen fühle ich mich allen Teilnehmenden spürbar und von Herzen nahe, und das gibt mir Hoffnung, dass wir uns den großen Herausforderungen, die unzweifelhaft im Raum stehen (Stichworte „Wende“, „Bekehrung“, „Berufungen“), stellen können, auch wenn ich im Augenblick auf keine dieser Fragen auch nur den Ansatz einer Antwort habe.


Das schönste Geschenk war die Tatsache, dass ich trotz meiner gesundheitlichen Situation habe teilnehmen dürfen. Ich hatte/habe den Eindruck, dass Er mein Leben in die Hand genommen hat und führt.

Ein besonders starker Moment? Am vorletzten Tag haben wir auf Vorschlag des katholischen Bischofs Brendan Leahy alle zusammen die anglikanische Messe im Saal gefeiert, und wir Katholiken haben von unseren Brüdern und Schwestern der anderen Kirchen den Segen empfangen. Auch das „Te Deum“ zum Abschluss der Generalversammlung war ökumenisch gestaltet, und wir haben von Priestern, Bischöfen verschiedener Kirchen den Segen empfangen.

Was mich sehr betroffen gemacht hat, war das, was Margaret Karram über die Umkehr gesagt hat, die wir im ganzen Werk machen müssen/dürfen, damit wir authentisch das Charisma der Einheit von Chiara Lubich weitergeben können. Margaret sagte klar, dass wir das Leben der Einheit neu verstehen müssen. Nur das führt zu authentischen, gleichwertigen, echten Beziehungen „ohne Machtgehabe“ oder ähnlichem. Das will ich leben und besonders vertiefen.

Was mir noch wichtig war und ist: sich nicht mit Situationen, Mitteilungen von Entscheidungen (etwa Statuten, Richtlinien) zufriedengeben und sich anpassen, sondern gut auf die innere Stimme hören und den Mut haben, Dinge, Themen anzusprechen, die uns schwerfallen, über die wir nicht gerne offen reden; nachhaken, um dann gemeinsam weiterzugehen.


Drei Wochen lang unsere Unfähigkeit auszuhalten, uns mit dem Offensichtlichen (Anm. d. Red: den tiefen Wunden, die durch Missbrauch vielen zugefügt wurden) zu beschäftigen, hat mich echt an die Grenze gebracht. Der Papst hat uns – wie es ein Teilnehmer der Generalversammlung nannte – einen „Tritt in den Hintern“ gegeben. Das war – aus meiner Sicht – extrem wichtig, da wir uns auf der Generalversammlung äußerst schwergetan haben, das Thema Missbrauch auch nur in Ansätzen zu erörtern. Es ist einem Machtwort der Präsidentin zu verdanken, dass das Wort wenigstens einmal im Abschlussdokument auftaucht.

Für mich persönlich war eine Erfahrung eines Fokolars aus dem Kamerun sehr wichtig, die er bei der Einführung in eine Meditation über den Heiligen Geist erzählte. Sie hat mir die Bedeutung des gegenseitigen Segnens für unser Leben deutlich gemacht: wie sehr es uns – im persönlichen Leben, aber auch in der Fokolar-Bewegung – Freiheit schenken, ja sogar Flügel verleihen kann, wenn wir so die Unterstützung und „Rückendeckung“ anderer erfahren.


Sehr eindrücklich war für mich der Prozess, den wir als Generalversammlung durchlaufen haben: Wir haben viel erarbeitet, besprochen, ausgetauscht. Es gab Momente, die schwierig waren, wo wir festzustecken schienen. Manchmal kam auch Kritik auf oder Unverständnis für gewisse Abläufe. Es war immer wieder ein Training, nicht zu urteilen, sondern auszuhalten und nochmals gut zu- und hinzuhören. Nicht immer ist dies gelungen! Nachdem Margaret uns die „svolta“, die „Wende“ ans Herz gelegt hatte, schien mir, dass es genau diesen Prozess zuvor gebraucht hatte, um diesen Appell nun mit offenem Herzen aufnehmen zu können. Das Wirken des Hl. Geistes war spür- und greifbar.

Ich habe dies persönlich erlebt in einem Moment, in dem ich mich innerlich gedrängt fühlte, nach vorne zu gehen und ein Anliegen in die Mitte zu legen. Es hat mich Überwindung gekostet und viel Herzklopfen! Ein besonderer Aspekt dabei war, dass ich unsere Leute zu Hause sehr präsent unter uns spürte. Ja, ich hatte den Eindruck, sie in mir zu tragen und ihnen eine Stimme geben zu können. Mein Beitrag war Ausdruck eines „Wir“; das hat mich persönlich sehr berührt und mir auch Kraft und Mut gegeben. Das Starke war dann, dass wir erleben durften, dass die Anregungen ernst genommen und bereits in den nächsten Tagen umgesetzt wurden. Das schien mir eine Frucht auch des Lebens in der Zone zu sein.

Apropos Zone: In mir ist eine große Dankbarkeit für unsere D-A-CH-Zone gewachsen! Wir konnten ein wenig „hinter die Kulissen“ schauen und wir erfuhren auch vieles von den anderen Zonen. Dabei habe ich realisiert, dass wir schon ein gutes Wegstück gegangen sind, eine offene und konstruktive Kommunikation pflegen und auch vor unbequemen Themen nicht zurückschrecken. Ich habe auch mehr Einblick bekommen, wie Uschi Schmitt und Roberto Rossi ihre Aufgabe als Zonendelegierte leben und bin zutiefst dankbar für sie und ihre Art, wie sie mit uns unterwegs sind.

In der Gruppe: Susanne Ganarin (in der Mitte mit heller Jacke und Hose)

Der stärkste Moment für mich war das Verstehen, dass wir zum Zustandekommen von Einheit gerufen sind. In meiner Vorstellung ist das ein unbegrenzter Raum mit freien, ‚verwirklichten’ Menschen; einander zugetan, Anteil nehmend, nur Gutes wünschend, … – eine Vorstellung von ‚wie im Himmel so auf Erden‘. Beglückend. Ziel meines und unseres Einsatzes.

Positiv überrascht hat mich das doch starke Bewusstsein, nicht (nur) für mich, sondern für die „Freunde der Bewegung“ und letztlich für alle Teile der Fokolar-Bewegung teilzunehmen. Das hat mir die Kraft gegeben, mich möglichst aktiv einzubringen.

Beim Austausch im Saal: Karl Wurstbauer

Es hat mich sehr beeindruckt, dass Margaret so viele aus den verschiedenen Kirchen eingeladen hat. Wir waren elf aus acht Kirchen, über alle Berufungen verteilt. Eines der neun Themen, die wir in verschiedenen Gruppen vertieft haben, war auch die Ökumene, für mich ein Zeichen, dass dieses Thema wichtig war für Margaret und den Generalrat.

Wir haben uns jeweils in Gruppen (30 mit je etwa acht Teilnehmenden) nach der Methode des «Gesprächs im Geist» mit einigen ausgewählten Themen beschäftigt. In meiner Gruppe wurde das Thema „Dialoge, Ökumene“ nicht behandelt. Zehn andere Gruppen haben dieses Argument vertieft. Und ich war natürlich gespannt auf das Plenum. Nach der Vorstellung gab es die Möglichkeit Anregungen zu geben, Fragen zu stellen. Ich hatte eine große Freude in mir, für das, was alles herausgekommen ist. Und so ging ich ans Mikrofon und sagte einfach ein Danke.

Sehr getroffen hat mich, dass wir an Stelle einer Katholischen Messe alle zusammen eine Anglikanische Messe gefeiert haben. Das Hineingehen in diesen Schmerz hat eine sehr starke Präsenz Gottes hervorgerufen. Ich bin zuversichtlich, dass etwas Neues geschehen wird, ein Beitrag für alle Kirchen. (siehe Schlussdokument Punkt 6.)


Begegnung: Lut Van Kersavond (Mitte) im Gespräch

Ich bin in diesen drei Wochen dem ganzen Werk in seiner Verschiedenheit begegnet: Berufungen, Herkunft, Kultur, Freuden und Leiden. Es war ganz einfach, ins Gespräch zu kommen, und das hat mein Herz weiter gemacht. Es war auch schön, wie wir als D-A-CH-Gruppe miteinander gelebt haben; es war ein Ort, wo wir immer wieder unsere Freuden, Fragen, Zweifel austauschen konnten.

Verschiedene Persönlichkeiten haben für mich sehr interessante Beiträge gegeben, wie etwa Andrea Riccardi (Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio), oder Paolo Ruffini (Präfekt im Dikasterium für die Kommunikation), Chiara Giaccardi (Professorin für Soziologie der Kultur- und Kommunikationsprozesse), Fadih Chehadé (Experte im Bereich der Künstlichen Intelligenz) und Lorna Gold (integrale Ökologie). Manche Sätze wirken noch nach – und es wird sich lohnen, diese Beiträge zu vertiefen.

Für die thematische Arbeit war ich in einer französischsprachigen Gruppe, mit Teilnehmern aus Afrika, Aleppo (Syrien), Frankreich, einem muslimischen Gen aus Algerien und einer Gen aus Neu Kaledonien. Auch das war eine gute Gelegenheit, in Austausch zu kommen und einander kennenzulernen.
Was ich allen weitergeben möchte? Die Lebendigkeit des Werkes. Ich habe wirklich gestaunt, was weltweit alles da ist an Initiativen, Leben, … – Und: das Bewusstsein, dass jede und jeder von uns Teil dieses Werkes ist. – Die Chance, das Charisma neu zu entdecken und damit die Einheit neu zu leben.


Auch das gehörte dazu: gemeinsam feiern (rechts vorne: Blugot Breunhölder)

Ich bin besonders dankbar dafür, im Nachhinein zu sehen, wie und dass der Heilige Geist gewirkt hat. Denn zwischendurch war das nicht immer spürbar. Ich habe in diesen Wochen die Schönheit der Vielfalt erlebt, aber auch die Herausforderung daraus. Etwa in den Gruppen, als wir über die Themen sprachen. Dabei die Unterschiedlichkeit ernstnehmen, nicht ändern wollen, anhören, nicht urteilen oder abschalten. Das galt auch für manche Momente im Saal, wenn es um Berichte oder Eingaben ging. Denn drei Wochen lang täglich acht Stunden im Saal oder in Gruppen zu sitzen, war auch anstrengend. Es war eine beständige Übung, dabei dann trotz aller Widrigkeiten immer wieder in mir den Raum zu schaffen, dass der / die andere sich ausdrücken und auch sein Leiden und seinen Schmerz teilen kann. Umso schöner ist es nun, zu sehen, dass der Heilige Geist so wirken kann.

Sehr schön war unser gemeinsames Leben in der D-A-CH-Gruppe. Es war wie in einem Fokolar, wir haben gelacht, uns ausgetauscht, Fragen und Perplexitäten geteilt. Ein Geschenk für mich war, als wir uns vor den Wahlen zusammensetzten und über die Kandidatinnen und Kandidaten sprachen. Denn ich hatte Respekt vor der Wahl, da ich viele nicht kannte, meinen Teil aber verantwortungsvoll leben wollte. Nach dieser Runde unter uns und dem Zusammentragen der Informationen, die die einzelnen eingebracht haben, war ich ganz ruhig und hatte eine gute Grundlage für die Wahl.

Ich nehme mir sehr mit, dass wir jeder/jede Verantwortung tragen für das Leben des Werkes. Dass wir das nicht delegieren können an andere, etwa „an die in Wien“ oder „an das Zentrum“, sondern dass wir alle – jeder und jede an seinem und ihrem Platz – gefragt sind, zu leben. Und dieses Leben dann auch wieder ins Ganze einzubringen.

Sehr beeindruckt war ich auch von den gut 80 Personen, die im Hintergrund – vor allem in der Technik und bei der notwendigen Organisation – mit großer Geduld und Hingabe ihren Dienst getan haben, damit diese Generalversammlung stattfinden konnte.



Die Beiträge wurden zusammengestellt von Gabi Ballweg und veröffentlicht in „Mariapoli. Nachrichten der Fokolar-Bewegung“ 3/2026; Fotos: CSC Audiovisivi; Blugot Breunhölder