Anton Koch (12.3.1923 – 23.12.2024)
Anton zitierte häufig Karl Rahner: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.“ Diesem unbegreiflichen Gott hat er in seinem langen Leben die Treue gehalten. Geboren als viertes Kind einer Handwerkerfamilie erlebte er den Nationalsozialismus, dem die Familie distanziert gegenüberstand. Nach einer Maurerlehre wurde er Soldat: Krieg, mehrfache Verwundung, Gefangenschaft. In einem Lazarett hat er seine spätere Frau Paula kennengelernt. Erst Jahre nach Kriegsende – nachdem er als Mauerermeister eine berufliche Existenz hatte – konnten sie heiraten. Bei einer Mariapoli kamen beide 1965 in Kontakt mit der Fokolar-Bewegung. Betroffen waren sie von der Aussage eines Fokolars: „Wir versuchen, das Evangelium radikal zu leben.“ Das war künftig auch ihr Lebensmotto. Zusammen mit ihren drei Kindern lebten sie großzügig Gastfreundschaft. Ihr Haus war Mittelpunkt der in Freiburg entstehenden Gemeinschaft, nicht selten Herberge für Hilfesuchende.
Anton gehörte zu den ersten Freiwilligen in Deutschland. Er engagierte sich auf vielen Ebenen des noch jungen Zweiges, half tatkräftig bei der Organisation der Mariapolis in St. Peter (Schwarzwald). Die „Neue Gesellschaft“ lag ihm am Herzen. Oft erzählte er, wie er sich auf Baustellen um die Belange der ausländischen, insbesondere muslimischen Mitarbeiter kümmerte. Bis ins hohe Alter schaltete er sich mit Leserbriefen in gesellschaftliche und kirchliche Debatten ein. Wahrheitsliebend und streitbar. Als passionierter Wanderer und Bergsteiger liebte er die Natur, förderte nach Kräften den Umweltschutz. Großzügig unterstützte er die kirchlichen Werke weltweiter Solidarität. Vielen stand er in schwierigen Lebenssituationen bei.
Zeitlebens setzte sich Anton mit spirituellen und theologischen Autoren auseinander. Zum Glauben gehörte für ihn auch der Zweifel. Nach dem Tod seiner Frau, die er über Jahre pflegte, zog er in ein Heim. Von dort ging er täglich zu den Gottesdiensten ins nahe gelegene Münster. Nach einem Sturz verbrachte er die letzten Jahre im Pflegeheim – neugierig auf das Haus des unbegreiflichen Gottes.
Zusammengestellt von Wilhelm Rauscher und Reinhard Zäpfel; Foto: privat