In ihrem Jahresbericht geben die Fokolarinnen und Fokolare des Kulturfokolars Einblick in das, was sie 2024 gelebt haben.
Mit Dankbarkeit blicken wir auf das Jahr 2024 zurück, in dem sich Neues ergeben und Altes bewährt hat. – Mit diesen Worten beginnen die acht Fokolarinnen und Fokolare des sogenannten „Kulturfokolars“ ihren Bericht. Auszüge.
Schritte in die Öffentlichkeit
Im Januar trafen sich die Fokolarinnen und Fokolare der D-A-CH-Zone zu ihren Einkehrtagen in Castel Gandolfo. Dort durften wir uns vorstellen. Dabei war es uns ein Anliegen, die Wirklichkeit des Kulturfokolars nicht nur verständlich, sondern erlebbar zu machen: durch unsere persönliche Vielfalt und die vom Leben schrittweise inspirierte Herangehensweise unseres Tuns.
Diesem Auftakt folgten zahlreiche weitere Gelegenheiten, an denen wir gebeten wurden, unsere Erfahrung weiterzugeben: vor Ort in Ottmaring beim Treffen der Bischöfe, beim Besuch von Lucia Fronza und einer Gruppe junger Erwachsener aus dem Trentino, die einer von Lucia mitinitiierten „Scuola di Formazione Politica“ angehören. Im Mai gaben wir unseren Beitrag bei der Augsburger Veranstaltungsreihe „Punkt 7“ vor 40 Personen.
In der 25. Ausgabe der Zeitschrift „Ekklesía“ erschien ein Artikel über unsere Herangehensweise und Initiative im „Dialog zwischen Ost und West in Europa“, mit dem Titel „Ein hörendes Herz“.
Reflexion
Seit jeher tauschen wir uns über das gemeinsam und einzeln Erlebte aus, spüren der Bedeutung nach, die es für den Weg des Kulturfokolars haben könnte. 2024 nun haben wir begonnen, der mündlichen Reflexion eine schriftliche folgen zu lassen.
Im April haben wir uns für ein Schreibwochenende getroffen. Es war eine so entspannte wie intensive Zeit, geprägt von der individuellen Arbeit an Texten. Die so entstandenen Fragmente, Essays und Ideensammlungen haben wir einander vorgelesen und besprochen. So wurde die Reflexion direkt weitergeführt, die entwickelten Gedanken traten in einen dynamischen Prozess ein.
Im April 2025 möchten wir die anregende Erfahrung wiederholen und so die nun begonnene Verschriftlichung fortführen.
Reisen nach Polen
Begegnungen prägten von Beginn an den Weg des Kulturfokolars, haben ihn bereichert und gelenkt. Im vergangenen Jahr wurden diese um einen wertvollen, neuen Personenkreis erweitert.
Im Februar und im Juni fuhren wir nach Katowice beziehungsweise Kraków, Polen, und trafen uns dort mit Personen aus den dortigen Fokolaren sowie einigen Internen. Uns lag diese Reise sehr am Herzen, denn die Geschichte zwischen Polen und Deutschland ist schmerzhaft und wirkt auch in der Gegenwart nach, in Politik ebenso wie innerhalb der Fokolar-Bewegung. Die Begegnung war von großer Gastfreundschaft und Freude am Kennenlernen der anderen geprägt, was in der durchgehend ehrlichen und offenen Atmosphäre wunderbar möglich war. So wurden an uns auch schmerzliche Erlebnisse und Bedenken von Einstellungen und Verhaltensweisen in Deutschland, der Europäischen Union und der Fokolar-Bewegung im D-A-CH herangetragen, die Fokolarinnen und Fokolare wie auch Interne des Werkes in Polen bewegen. Dies betraf etwa Themen wie LGBT+ oder Ökologie. Trotz unterschiedlicher Denkweisen haben wir uns als Brüder und Schwestern im Ideal erfahren, vom ersten Moment an.
Im Januar 2025 schließlich durften wir, zusammen mit einigen anderen Fokolarinnen und Fokolaren aus Deutschland, an den Jahreseinkehrtagen der Zonette Polen teilnehmen. Wir spüren, dass sich die Freundschaft vertieft und verfestigt. Dafür empfinden wir immense Dankbarkeit und Begeisterung.
Wir sind nun auch zur Mariapoli der polnischen Zonette im August 2025 eingeladen und haben vor, in einer kleinen Gruppe hinzufahren.
Treffen des Freundeskreises
Eine feste Größe in unserer Jahresplanung sind mittlerweile die Begegnungen mit unserem sogenannten „Freundeskreis“. Das sind fünf Paare aus Ungarn, Österreich, der Schweiz und der Slowakei.
Zwei Mal pro Jahr treffen wir uns für ein Wochenende in einem unserer Länder. Während wir auf persönlicher Ebene erleben, wie die Freundschaft unter uns immer tiefer und robuster wird, erleben wir in den Gesprächen und Diskussionen die großen Unterschiede unserer politischen und kulturellen Heimaten. Diese Spannungen auszuloten, ja geradezu zu erforschen, um in ihnen dem Anderen zu begegnen, prägt unsere Begegnungen. Hier wird greifbar, dass das Private – Persönliche – immer auch politisch ist.
Aus diesen Treffen ziehen wir nach wie vor große Inspiration für unseren Weg als Kulturfokolar, ja sie sind ein integraler Bestandteil von uns. Auch für 2025 sind wieder zwei Wochenenden geplant, das erste im Mai in Beckov (Slowakei).
Netzwerke
Herbert Lauenroths Teilnahme am Netzwerk Miteinander für Europa verdanken wir eine Reise von Herbert und Hans Schwake nach Brüssel, im Mai des vergangenen Jahres. Bei der zweitägigen Veranstaltung ging es um ein verstärktes Engagement der Christinnen und Christen in und für Europa – gerade im Blick auf die anstehenden Wahlen. Hier entstanden viele Kontakte und vertiefte Beziehungen, nicht zuletzt mit dem „Europa-Fokolar“ der Fokolarinnen in Brüssel. Alle bekundeten großes Interesse an der Erfahrung des „Kulturfokolars“.
2025 möchten wir verstärkt den Kontakt zu bewegungsinternen Netzwerken knüpfen. So steht eine Mitarbeit bei dem von Palko Tóth [verheirateter Fokolar aus Ungarn] angeregten und geplanten Aufbau einer „mitteleuropäischen“ Sektion der Abbà-Schule in Aussicht. Neben dem Kontakt zu unseren Zonenzentren in Wien planen wir erstmals auch ein Treffen mit den Zentren der Zone Violett in Bratislava. Ebenso möchten wir den Kontakt mit dem Europa-Fokolar in Brüssel wieder aufleben lassen. Vielleicht ergibt sich auch eine Reise ans Zentrum des Werks.
Wir freuen uns auf alle Begegnungen – diejenigen, von denen wir schon wissen und auch jene, die sich mit der Zeit neu ergeben.




Aus dem Bericht der Fokolarinnen und Fokolare des „Kulturfokolars“; Fotos: Kulturfokolar