Pfarrer Wilhelm Palesch (27.2.1932 – 8.11.2025)

Obwohl er in Küllstedt/Thüringen starb, fanden die Besucher der Kirche in Tscheljabinsk/Sibirien noch am selben Abend im Eingang ihrer Kirche eine Kerze vor einem Foto ihres ehemaligen Pfarrers. 

Schon vom Pastoralseminar Neuzelle ging der zukünftige Priester gern los und segnete die Katholiken, die in kleinen verstreuten Gemeinden unter dem harten sowjetischen System auf einen Priester warteten. Seinen Spiritual, eine erfahrenen geistlichen Begleiter, fragte er, ob diese starke Sehnsucht vom guten oder bösen Geiste war. Der antwortete ihm: „Warten Sie zehn Jahre. Wenn diese Sehnsucht immer noch da ist, stammt sie vom Hl. Geist.“ Das war 1967. Wilhelm musste noch 25 Jahre warten, bis er nach der Wende 1992 in Tscheljabinsk Pfarrer wurde.

Dort begann mit ihm Reinhard Franitza, auch ein Priester der Fokolar-Bewegung. Er wurde zu einer wunderbaren Ergänzung, sehr praktisch veranlagt. Es entstanden Werkstätten verschiedenster Art, in denen Arbeitslose Beschäftigung fanden. Schließlich gab es sogar eine Suppenküche. Die beiden reisten nach Österreich, Westdeutschland und in die Schweiz und sammelten Spenden, um das kleine Bethaus in eine große Kirche umzubauen. Der geistliche Eifer der beiden und die Sehnsucht der Menschen ließ die Gemeinde erstaunlich schnell wachsen.

Wilhelm Palesch war geübt, seine geistlichen Erfahrungen zu erzählen. Er sprach gern von seinem Vater, der so beten konnte, dass sich Wilhelm auch noch im Alter daran aufbaute.

Wilhelm gelang es, Freunde für eine Fahrt in seine Heimat in der Nähe von Nitra (Tschchien) zu gewinnen. Dort zeigte er ihnen auf einer Wiese den Baum, bei dem er die Berufung zum Priester gespürt hatte.

Wie stark die Gläubigen mit ihm verbunden waren, zeigte sich, wenn bis zu 40 Russlanddeutsche, die jetzt in Deutschland leben, ihn jedes Jahr im Mai besuchten. Gern sangen sie dann die russischen Lieder aus Tscheljabinsk, am liebsten mehrstimmig.

Erstaunlich der Friede, in dem alle ihn antrafen, obwohl er bettlägerig war. Wenn man ihn am Telefon fragte: „Wie geht es?“ pflegte er zu sagen: „Mir geht es gut. Ich habe keine Schmerzen.“ Wenn wir auf die Tagesliturgie zu sprechen kamen, merkte man seine Freude, einmal alles zu schauen, was wir jetzt noch bewunderten.

Zusammengestellt von Paul Christian; Foto: privat