Rund hundert Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, trafen sich vom 14. bis 17. Mai in Sommascona, um an der Mariapoli der italienischen Schweiz teilzunehmen.

Charismen bringen Neuerungen in die Kirche, nicht nur auf theologischer und lehrmäßiger Ebene, sondern auch dadurch, wie sie zur Stärkung der Gemeinschaft beitragen. Denken wir an die verschiedenen Orden oder Bewegungen: Jede und jeder hat einen besonderen Weg gefunden, das Evangelium gemeinsam mit anderen zu leben, insbesondere durch konkrete Ausdrucksformen des Gemeinschaftslebens.

Eine der Neuerungen, die aus dem Charisma von Chiara Lubich hervorgegangen sind, ist zweifellos die Mariapoli, eine besondere Form der Begegnung. Um ihren Geist zu verstehen, kann es hilfreich sein, auf die Worte eines Liedes aus den 1950er Jahren zurückzugreifen, das während der ersten Mariapoli in den Dolomiten komponiert wurde: „Straßenbahnfahrer, Studenten und Ärzte, Apotheker und Abgeordnete – hier in der Mariapoli angekommen, sind wir alle gleich.“ Menschen mit sehr unterschiedlichen Berufen und Lebenswegen finden sich, sobald sie die Mariapoli betreten, auf Augenhöhe wieder. Nicht weil sie das verlieren, was sie einzigartig macht, sondern weil sie etwas erleben, das sie verbindet: die Erfahrung, eine Familie zu sein und sich als Brüder und Schwestern zu entdecken.

Diese Erfahrung wiederholte sich auch in diesem Jahr, vom 14. bis 17. Mai, vor der herrlichen Kulisse des Bleniotals. Etwa hundert Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, trafen sich in Sommascona, um gemeinsam die Mariapoli der italienischen Schweiz zu erleben. Der bleierne, regenschwere Himmel am Himmelfahrtstag wich am Samstag und Sonntag allmählich strahlendem Sonnenschein und milderen Temperaturen.

Inspiration für alle war der Erfahrungsbericht über den sogenannten Tisch 7, an dem sich zu den Mahlzeiten regelmäßig eine Gruppe von Patienten einer Rehabilitationsklinik versammelt, jede und jeder mit eigenen Beschwerden und Sorgen. Dank der Beziehungspflege, der Gastfreundschaft und des Zuhörens wurde dieser Tisch nach und nach zu einer wahren Gemeinschaft. Auch die Teilnehmer der Mariapoli nahmen sich vor, Beziehungen zu pflegen und beispielsweise der Freundlichkeit, dem Zuhören, der Gastfreundschaft, der Fürsorge für den anderen, der großzügigen Nähe und der gegenseitigen Unterstützung im Leid Raum zu geben.

Nach drei Tagen voller Workshops, Spaziergängen, Eucharistiefeiern, Gesängen, Momenten des gemeinsamen Essens und des Austauschs über das eigene Leben herrschte unter allen das Gefühl, zu einer einzigen Familie geworden zu sein.

Eine Bestätigung dafür bot die Predigt des emeritierten Bischofs Valerio Lazzeri, der die Mariapoli besuchte und die Sonntagsmesse zelebrierte. Der Bischof bezeichnete die Lesungen des Tages als überraschend, da sie nicht die äußeren und spektakulären Früchte christlichen Handelns (wie die Bekehrung der Massen nach Pfingsten) hervorheben, sondern sich auf die verborgeneren Früchte konzentrieren, die gerade aus der Pflege der Beziehungen zu den Menschen in unserer Nähe entstehen. Ein Beispiel dafür ist das Warten der Apostel und der Gottesmutter Maria auf den Heiligen Geist im Abendmahlssaal, in einer familiären Atmosphäre. Wenn wir genau darüber nachdenken, so fuhr Bischof Lazzeri fort, setzen wir sehr oft auf unsere eigenen Pläne, um unser Leben zu verwirklichen, doch das Beispiel Marias erinnert uns daran, dass es vor allem darauf ankommt, einfach da zu sein; es gibt keine Leere, die es zu füllen gilt, denn die gesamte Wirklichkeit ist erfüllt von der Gegenwart Gottes, die unser Leben verwandelt.

Ein Beitrag von Luca Crivelli.