Elf Personen aus der D-A-CH-Zone sind bei der Generalversammlung dabei. Wir haben bei einigen nachgefragt, wie sie sich vorbereitet haben und was sie bewegt hat.

Susanne Ganarin, Zürich

Neben der konkreten Vorbereitung – mittels Lesen der Texte, die uns zur Verfügung gestellt werden und durch die Zoomschaltungen – war es mir ein großes Anliegen, mit möglichst vielen ins Gespräch zu kommen, hin- und zuzuhören, nachzufragen. So habe ich verschiedene Gruppen unserer Leute getroffen und bin im Austausch mit ihnen. Dabei stellte ich Folgendes fest:

Einerseits besteht nach wie vor eine große Liebe zum Charisma, andererseits eine Verunsicherung: Wer sind wir eigentlich genau? Sind wir noch „auf dem Weg Chiaras“? Haben wir den Mut, zu unserem Ideal zu stehen?

Das hat auch in mir persönlich eine Standortbestimmung ausgelöst und mich stark auf Jesus den Verlassenen verwiesen. So wollte ich mich – neben all den konkreten Vorbereitungen –
geistlich auf die GV vorbereiten, indem ich die Beziehung zu Gott überprüfe, pflege, vertiefe.

Ich freue mich sehr, dass es möglich wurde, dass wir Vertreterinnen und Vertreter von D-A-CH uns Anfang Februar physisch in Wien treffen konnten. Ein wichtiger Schritt, einander tiefer zu verstehen und zusammenzuwachsen, sodass wir in aller Unterschiedlichkeit als ein Leib die
D-A-CH-Zone bei der Generalversammlung vertreten können.


Hubert Schulze Hobeling, Münster

Welches Wort drückt am besten die Bedeutung meiner Teilnahme an der Generalversammlung aus?“ Mit dieser Frage startete eine der fünf Zoom-Schalten im Vorfeld der Generalversammlung. Die Antworten wurden per Mentimeter eingefangen. Der Begriff mit den meisten Stimmen war „Verantwortung“. Ich habe „Missbrauch“ geschrieben. Warum? Weil es mein Kern-Anliegen ist, das gemeinsam aufzuarbeiten.

Was habe ich gemacht, nachdem ich gewählt wurde?

Mir gesagt, dass ich einen Überblick brauche, was in der Fokolar-Bewegung weltweit läuft, um mitentscheiden zu können, wie es in den kommenden fünf Jahren weitergeht.

Schritt 1: Alle Eingaben lesen, die zur Generalversammlung aus der ganzen Welt eingegangen sind. Das sind 118 Seiten.

Mein erster Eindruck: Überall auf der Welt geht es um ähnliche Themen. Die Frage aller Fragen: Wie können wir heute das Ideal, die Spiritualität der Einheit, so leben, dass wir selbst dabei glücklich sind und auch andere das Ganze als lichtvoll und liebevoll erleben?

Der zweiter Eindruck: In den Eingaben steckt schon so viel an Antworten, dass die Leute in den verschiedenen Erdteilen vor allem eines brauchen: den Segen der Generalversammlung, dass zu tun, was sie – da vor Ort – sinnvoll und richtig finden.

Schritt 2: Die Themen aufnehmen, die die Vorbereitungs-Kommission der Generalversammlung aus all den Vorschlägen als Haupt-Themen erachtet. Das sind fünf.

Schritt 3: Antworten auf die Frage finden, wie es um die Aufarbeitung der Missbrauchs-Erfahrungen am Zentrum bestellt ist.
Erster Eindruck – nach einem Gespräch mit Maria Magerl, die bei diesem Thema eng mit Margaret Karram zusammenarbeitet: Es wird viel getan, und das ist auch notwendig, da die Wunden von Machtmissbrauch durchaus genau so tief sein können wie die Wunden, die durch sexualisierte Gewalt entstehen.

Schritt 4: Meine Gedanken und Erkenntnisse mit allen teilen, die aus dem D-A-CH bei der Generalversammlung teilnehmen.

Mein Plan für die Generalversammlung lautet, meinen Teil dafür zu tun, dass wir als Bewegung wieder glaubwürdiger werden, weil wir es hinbekommen, uns den Krisen zu stellen und daraus zu lernen – und das auch glaubhaft nach außen zu kommunizieren.

Meine Überschrift für die Tage in Castel Gandolfo lautet aktuell: „Krise: Motor für Wandel?“ Das hört sich eckig und kantig an. Darf es auch.


Karl Wurstbauer, Salzburg:

Als Vertreter der Freundinnen und Freunde der Fokolar-Bewegung wurde ich zur Generalversammlung eingeladen. Zu uns gehört ein breites Spektrum von Menschen; Leute, die die Bewegung vielleicht schon Jahrzehnte kennen, eventuell früher Mitglied eines „Zweiges“ waren – oder andere, die uns erst seit Kurzem kennengelernt haben.

Der ganze Reichtum der Spiritualität der Einheit gehört auch uns. Ich möchte mich bei der Generalversammlung für alles einsetzen, was die möglichst „niederschwellige“ Weitergabe dieses Reichtums ermöglicht.

Auch die Möglichkeit unserer Mitwirkung im Zonenrat oder in Zonettenteams sollte im Allgemeinen Statut berücksichtigt werden.


Christian Kewitsch, Hamburg

Nach wie vor freue ich mich sehr darauf, Menschen aus der ganzen Welt zu begegnen, die sich wie ich Jesus dem Verlassenen als Schlüssel zur Einheit verschrieben haben – Zeit miteinander verbringen, einander zuhören, Beziehungen knüpfen, sich wieder treffen, sich kennenlernen …

Gleichzeitig hörte ich beim Lesen der Eingaben und im Verfolgen der internationalen Zoomschaltungen zur Vorbereitung zwei Tendenzen heraus, die ich als sehr herausfordernd empfinde:

Erstens die Spannung zwischen der Sehnsucht nach einer Rückkehr zu unseren spirituellen Wurzeln auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach tiefgreifenden Veränderungen auf der anderen Seite.

Zweitens wird in meiner Wahrnehmung stärker das unterstrichen, was uns die Spiritualität zu sagen hat und weniger das, was uns die konkrete Wirklichkeit sagen kann und wie wir diese beiden Aspekte verknüpfen können.

Ich wünsche mir und bete darum, dass wir auf das vertrauen, was Chiara selbst uns hinterlassen hat, nämlich Jesus in unserer Mitte als ihr Erbe. Dass wir folglich in der Lage sein werden, in allem so miteinander umzugehen, dass er in uns, mit uns und unter uns lebt, handelt und entscheidet.


Elfi Glaubitz, Solingen

Mein Weg zur Generalversammlung verlief ganz speziell. Nach der von 2021 wurde ich als Kirchenrechtlerin von Margaret Karram in die Kommission zur Revision des Allgemeinen Statuts berufen und habe in dieser Zeit auch mit einer Gruppe nicht-katholischer Interner verschiedenster Kirchen zusammengearbeitet, um neue Vorschläge zu erarbeiten, dass alle sich im Werk zu Hause fühlen.

Als ich im Oktober 2025 in der Zonenversammlung als Vertreterin für die D-A-CH-Zone gewählt wurde, spürte ich, dass dies ein neues Ja zu Gott von mir verlangt.

Damals ahnte ich noch nicht, dass drei Wochen später bei einer Routineuntersuchung ein Tumor diagnostiziert wurde. In mir sind viele Fragen aufgetreten: „Wieso jetzt? Warum wurde ich gewählt, wenn ich vermutlich nicht teilnehmen kann? Was hat das für einen Sinn?“ Ich sah die anderen Gewählten, die sich teilweise inhaltlich schon sehr mit der Thematik auseinandersetzten. Ich hingegen war mit meiner Gesundheit, Arztbesuchen, der Vorbereitung des Klaus-Hemmerle-Preises und vor allem in meiner Beziehung mit Jesus beschäftigt. Dort fand und finde ich in mancher Ungewissheit Halt.

Ich nahm wahr, dass Geduld nicht meine Stärke ist, ich wünschte mir Klarheit und Gewissheit. Immer wieder sagte und sage ich mein Ja zu Jesus; ich wiederholte ihm immer wieder: „Ich vertraue dir, dass du mein Leben und die Vorbereitung der Generalversammlung in die Hand nimmst.“

Ein Gespräch Mitte Februar mit der Ärztin im Strahleninstitut brachte Gewissheit und Klarheit. Der Therapieplan konnte so gestaltet werden, dass ich problemlos zur Generalversammlung fahren kann. Für mich war und ist das wirklich ein Zeichen des Wirken Gottes.


Werner Peier, Zürich

Als reformierten Christen hat Margaret Karram mich persönlich zur Generalversammlung eingeladen.
Von Montet, wo ich zuletzt gelebt habe, bin ich erst vor Kurzem nach Zürich ins Fokolar gewechselt. Bevor ich dort richtig gelandet bin, konnte ich einen Monat Auszeit machen und in dieser Zeit nach Wien, Cluj und Sibiu (Rumänien) und Budapest (Ungarn) reisen.

Wenn ich zurückschaue, scheint mir diese Reise die beste Vorbereitung für die Generalversammlung, denn die einzelnen Etappen hatten für mich verschiedene Überschriften: „Eintauchen in Neues und Schönes entdecken“ war eine davon. Eine andere: „verso Gesù Abbandonato – hin zu Jesus dem Verlassenen“ – und ich durfte die eine große Familie des Werkes erfahren.

„Hin zu Jesus dem Verlassenen, Familie sein und zusammen entdecken, was Gott für uns vorbereitet hat.“ So möchte ich ans Zentrum fahren und mir natürlich vorher noch die Zeit nehmen alle Vorschläge zu vertiefen, da ich bisher (Red: Ende Januar) noch nicht alles lesen konnte.

Ein Beitrag von Gabi Ballweg, veröffentlicht auch im gedruckten „mariapoli – Nachrichten der Fokolar-Bewegung“ 2/2026; Fotos: privat, Blugot Breunhölder, CSCaudiovisivi