Dietlinde Michalek (27.3.1943 – 27.2.2024)
Geboren im Sudetenland erlebte Dietlinde mit Mutter und Schwester die dramatische Zeit von Vertreibung und Suche nach neuer Heimat. Der Vater war schon vor ihrer Geburt im Krieg gefallen: „Ihn nie gekannt zu haben, war eine tiefe Wunde in meinem Leben.“ In Dinkelsbühl (Bayern) fand die Familie ihr neues Zuhause; dort lernte Dietlinde als Fünfzehnjährige durch Pfarrer Sepp Gleich die Fokolar-Bewegung und Chiara Lubich kennen. Bei einer Begegnung hörte sie Chiara über Jesus in seiner Verlassenheit vom Vater sprechen. Sie erzählte: „Zu Hause hatte ich den Eindruck, dass Jesus auch für mich ganz alleine gestorben wäre. Dann spürte ich, dass Gott mir Vater und ganz nahe ist. Ich hatte das Gefühl, einen Vater gefunden zu haben, einen Vater, der mir bisher versagt war.“
Dietlinde machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Um in der Nähe des Fokolars zu sein, zog sie nach München, ging 1966 nach Loppiano. Berlin, Nürnberg, Solingen, Hannover und Münster waren Etappen ihres Lebens. Ein besonderes Talent war ihre Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Das diente ihr in ihrer Berliner Zeit auch, Nachrichten über die damalige Zonengrenze ins Fokolar nach Ostberlin zu bringen. Oder in Hannover: „Es kamen Menschen aus Italien, die lebensbedrohlich krank waren. In der Spezialklinik für Gehirntumore war meine primäre Aufgabe, die Gespräche zu übersetzen. Die Kranken kamen mir wie ein gepflügtes Land vor, das von Gott vorbereitet war, die kleinen Samen der Liebe, die ich weiterschenken konnte, aufzunehmen. Mit einigen habe ich noch heute Kontakt.“
Ihr Leben war geprägt von hellen und dunklen Seiten, wie bei jedem. In ihrem tiefen Glauben, der Treue zu Gott hat sie ein Stück der Heimat gefunden, nach der siesich immer sehnte. So hat sie auch ihre Krankheit als Wille Gottes angenommen. In ihren Unterlagen fanden wir an Stellen, die sie täglich vor Augen hatte, dieses Gebet von Ignatius von Loyola, mit dem sie Gott das einmal gegebene JA immer wieder neu gab: „Nimm, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, … Du hast es mir gegeben; Dir, Herr, gebe ich es zurück …“
Zusammengestellt vom Fokolar Münster; Foto:privat