Rita Paganini – Büchel (30.10.1932 – 14.5.2026)
Ezio Paganini – Büchel (23.12.1924 – 23.2.2022)

Ezio, liebevoller Ehemann und pflichtbewusster Katholik mit Engagement in der Kolping-Bewegung, verlor seine erste Frau bei der Geburt des zweiten Sohnes. Eine dunkle Zeit für den Familienvater. Eineinhalb Jahre später heiratete er die Schwester seiner verstorbenen Frau, seine Schwägerin Rita. Rita nahm die Aufgabe an, für die zwei kleinen Buben zu sorgen und mit Ezio eine Familie aufzubauen. Mit 23 Jahren war sie so Mutter von zwei Kindern und gebar selber noch zwei Söhne. Junge Eltern von vier Kindern, eine große Herausforderung. Ezio war Sohn einer einfachen Familie aus den Bündner Bergen, Rita eine elegante Frau aus der Modestadt St. Gallen, was ihre Beziehung anziehend, aber nicht immer einfach machte.

In den 1960er-Jahren lernten sie durch den Vikar ihrer Wohn-Pfarrei in St. Moritz die Fokolar-Bewegung kennen. Für beide wurde der Glaube einfacher, tiefer, freier, umfassender. Sie machten die Entdeckung, dass Gottes Liebe alles umfängt, alle Beziehungen, das politische Engagement in der Gewerkschaft, den Umgang mit Geld, Schönheit, … „Es wurde hell in mir, und ich konnte mich positiv annehmen“, erzählte Ezio später.

Beide wurden Freiwillige. Ezio hatte seinen Kernkreis im Nachbartal Poschiavo, in seiner Muttersprache Italienisch. Er lebte begeistert, in Ernsthaftigkeit und Treue das Ideal Chiara Lubichs. Er litt, wo in seinem Umfeld Uneinheit und Unfriede war, und bemühte sich mit aller Kraft und ohne faule Kompromisse um echte Einheit, sei es am Arbeitsplatz, bei der schwierigen Erbteilung mit seinen Geschwistern, als Beistand im Sozialamt. Regelmäßig und über viele Jahre traf er sich auch mit einer „Wort des Lebens“-Männergruppe in der Pfarrei. „Der Diener aller sein“ wurde zu Ezios Lebenshaltung.

Rita hingegen reiste vier Stunden nach Zürich, wo sie in ihrem Kernkreis Sorgen und Freuden im Licht des Evangeliums mit ihren Freundinnen teilte. Einige waren ebenfalls Mütter von gleichaltrigen Kindern, was sie als hilfreich, entlastend und stärkend empfand. „Ich wurde getragen“, sagte sie. Trotz räumlicher Distanz lebte sie wahrhaftig und lebendig das Ideal, tauschte sich per Briefpost aus, um nichts Wesentliches zu verpassen. Sie wollte keine „lauwarme“ Christin sein.

Rita und Ezio öffneten weit ihr Herz und ihr Haus. Ihre Wohnung am St. Moritzersee war Mittelpunkt der vier Söhne, später auch der Schwiegertöchter, der Enkel und der Enkelin. Ezio war ein wunderbarer Zuhörer, offen, wertschätzend, naturverbunden und Rita eine großzügige, emanzipierte, warmherzige Partnerin mit viel Humor. Sie lebten eine weite Gastfreundschaft. Sie wollten Fokolar, Feuerstelle sein, um die sich Menschen versammeln, Gemeinschaft feiern, singen, spielen, sich wärmen. Bei sich zu Hause am traumhaft schönen St. Moritzersee beherbergten sie viele Besucher und Feriengäste: Freiwillige, Fokolare, Fokolarinnen, Freunde und Familienangehörige. Rita war eine großartige Gastgeberin, sei es für Ferien oder eine Einladung zum Essen – sie probierte bis ins hohe Alter immer neue Rezepte aus. Die Arbeit schreckte sie dabei nicht; sie kochte literweise Konfitüre und buk körbeweise Fasnachtsküechli.

Beide engagierten sich in der Pfarrei. Rita machte die Ausbildung zur Katechetin. Kirche, Pfarrei bedeutete beiden Heimat, die Eucharistie war Kraftquelle. Das Charisma der Einheit half ihnen, trotz vieler Herausforderungen, immer treu zu bleiben. Nach der ökumenischen Versammlung in Basel 1989 waren sie Feuer und Flamme für das entstandene Leitbild „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. Sie waren Mitinitiatoren des Weltladens Engadin, wo sie beide bis ins hohe Alter aktiv mitarbeiteten. Es war ihr Ort, sich für eine „neue Gesellschaft“ einzusetzen.
Ezio lebte das letzte Lebensjahr im Pflegeheim, nachdem ihn seine körperlichen und kognitiven Kräfte nach und nach verließen. Seine Seele jedoch wuchs an Liebe und Achtsamkeit.

Rita erkannte in ihren letzten drei Jahren im Altersheim Lebenssinn im Danke sagen und wurde auch deshalb vom Pflegepersonal sehr geliebt. Auch ihren Schalk verlor sie nicht und wünschte für ihren Beerdigungsgottesdienst: „Lasst den Organisten einen Tango spielen, seid fröhlich und feiert ein Fest!“

Sie hatte großes Heimweh nach Ezio und ersehnte den Himmel, wohin sie an Christi Himmelfahrt auch gehen durfte.

Zusammengestellt von Monika Biedermann; Foto: Privat