Über 200 junge Menschen aus Europa und darüber hinaus erlebten in Madrid Tage voller Begegnung, Glauben und Gemeinschaft. Der Gen2-Kongress 2025 wurde zu einem Ort des Ankommens, der Vertiefung und der Sendung in die Welt.

Viel zu lang, dieser Artikel. Aber – die Gen erzählen so lebendig und interessant, dass Kürzen nicht funktioniert. Nach dem Lesen habt ihr eine gute Portion Freude und Hoffnung getankt!

Es geht los

Am Donnerstag, dem 4. Dezember, war es endlich so weit: Unsere Reise nach Spanien begann. Das Ziel war die Mariapoli Luminosa, ein Fokolarzentrum in Madrid. Dort fand der dreitägige Gen2-Kongress der westlichen Länder statt, zu dem aber auch die Zone DACH und weitere Länder eingeladen wurden. So nahmen am Kongress mehr als 200 junge Leute und viele Gen-Assistenten und Fokolar/innen teil. Die Stimmung war von Anfang an familiär und locker. Viele Freundschaften wurden geknüpft, tiefe Gespräche geführt und spannende Präsentationen und Workshops angeboten. «Für mich war der Kongress nicht vorüber mit der Abreise, es war ein Sprungbrett für mein weiteres Leben als Gen und für die Beziehungen mit anderen Mitgliedern der Fokolar-Bewegung.» (Gioia Maria, CH) Doch das Wochenende begann für Gioia Maria, Lukas und Samuel (Gen aus der Zone DACH) nicht erst in Madrid, sondern führte sie zuerst nach Barcelona, die Stadt des berühmten Architekten Antoni Gaudí. 

Anreise und erste Begegnungen

Kaum am Flughafen angekommen, begegneten wir bereits den ersten kleinen Herausforderungen mit spanischen Bahntickets. Doch wie so oft gehören genau diese Momente zu jeder Reise dazu. Schließlich erreichten wir das Männer-Fokolar, wo wir mit herzlichen Worten und einem Teller köstlicher Pasta empfangen wurden. Sofort stellte sich ein Gefühl des Ankommens ein. Zusammen mit Vincente, Giorgi, Silvano und Tomeo kamen wir schnell ins Gespräch und entdeckten erstaunliche Verbindungen, die uns als Gen über Ländergrenzen hinweg miteinander verbanden. Nach einem kurzen Abstecher ins Frauen-Fokolar, um das restliche Gepäck abzustellen, wurde mir erneut bewusst, wie universell und vertraut das Willkommen innerhalb der Fokolar-Bewegung ist, egal, wo auf der Welt man sich befindet.

Anschließend erkundeten wir die Sagrada Família, schlenderten über die farbenfrohe La Rambla und ließen den Tag am Hafen mit Blick auf das Meer ausklingen. Unser Weg führte uns später durch das Gotische Viertel in eine kleine Bar mit Flamenco-Show. Auch wenn diese leidenschaftliche Kunstform ursprünglich aus dem Süden Spaniens stammt, rissen uns die Künstler mit ihrer Energie und Ausstrahlung vollkommen mit. Nach einer erholsamen Nacht starteten wir am nächsten Morgen voller Tatendrang. Mit Rucksäcken auf dem Rücken erklommen wir einen nahegelegenen Berg und wurden mit einem atemberaubenden Blick über ganz Barcelona belohnt. Auf dem Weg nach oben entstanden tiefe Gespräche über persönliche Erfahrungen, den Glauben und das, was uns im Alltag trägt. Anschließend brachte uns der Schnellzug nach Madrid, mit neuer Motivation im Herzen und gespannter Vorfreude auf den Kongress.

In Madrid angekommen, spazierten wir zunächst durch den herbstlichen El-Retiro-Park, bevor wir weiter zur Mariapoli Luminosa reisten. Dort wurden wir von einer unerwarteten Welle der Freude empfangen: Applaus, Lächeln und offene Arme. Alte Freundschaften lebten sofort wieder auf, und neue Bekanntschaften wurden mit Neugier und Herzlichkeit geknüpft. Der Anreisetag endete mit einem Kennenlernspiel und später mit einer spontanen Tanzeinheit, angeleitet von den Gen aus Jordanien. Während einige den Abend ruhig ausklingen ließen, nutzten andere, so auch ich, die Gelegenheit zu tiefgehenden Gesprächen bis spät in die Nacht. Besonders eindrücklich war für mich ein Austausch mit mehreren Gen aus Spanien, der sich von Studieninhalten bis hin zur eucharistischen Anbetung erstreckte. Diese Form des Gebets war mir bislang kaum begegnet. Angeregt durch das Gespräch nahm ich mir vor, diese Erfahrung im Laufe des Wochenendes bewusst zu machen.

Vertiefung und innere Bewegung

Der Samstag begann für uns um 8 Uhr. Noch etwas müde kamen wir aus unseren Zimmern und stärkten uns bei einem typisch spanischen Frühstück. Ich setzte mich zu einer Gruppe portugiesischer Gen sowie zu Jerome, dem weltweiten Verantwortlichen der Gen2 vom Centro Gen. Uns allen war klar: Dieser Tag würde intensiv werden.

Schon am Morgen hörten wir weltweite Glaubensgeschichten. Jerome erzählte von einer Begegnung in China im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf den Weltjugendtag 2027. Besonders berührte mich die Geschichte einer chinesischen Gen, die im Finanzbereich Karriere gemacht hatte, jedoch spürte, dass ihrem Leben etwas Entscheidendes fehlte. Die Suche nach Sinn führte sie schließlich zum Glauben, zur Taufe und zur Fokolar-Bewegung. Ihre Konsequenz, den Glauben radikal zu leben, beeindruckte mich zutiefst.

Das zentrale Thema des Tages lautete „Re-Connecting with God“. In verschiedenen Impulsen, Workshops und Vorträgen wurde insbesondere die Verbindung zwischen mentaler Gesundheit und „Jesus dem Verlassenen“ vertieft. Besonders nahe ging mir die Erfahrung eines Gen aus Wales. Er erzählte von einem schweren Schicksalsschlag während eines Kongresses (Hombre Mundo) in Ungarn, bei dem ein enger Freund plötzlich verschwand und später tot aufgefunden wurde. Anstatt wie geplant zu feiern, entschied sich die Gemeinschaft damals für eine Vigil – ein Moment tiefer Einheit im Leid. Diese Erfahrung trug ihn auch Jahre später, als kurz hintereinander beide Elternteile an Krebs erkrankten und er selbst in eine Depression geriet. Er lernte, das Leid nicht zu verdrängen, sondern darin Gott zu begegnen. Diese Worte trafen mich tief und ließen mich an einen Freund aus Panama denken, den ich beim Jubiläum in Rom kennengelernt hatte. Da er aufgrund einer erneuten Krebserkrankung nicht nach Madrid kommen konnte, schrieb ich ihm noch in diesem Moment eine Nachricht. Dieser Augenblick machte mir bewusst, wie sehr wir über Kontinente hinweg im Leid und in der Liebe miteinander verbunden sind.

Der Tag endete mit offenen, vertrauensvollen Gesprächen. Ich erlebte eine Atmosphäre von Familie und Annahme, die es mir leicht machte, mich zu öffnen. Freundschaften entstanden, von denen ich spüre, dass sie mich noch lange begleiten werden.

Gemeinschaft und Sendung

Der Sonntag stand unter dem Leitmotto „Re-Connect with the Community“. Nach dem Frühstück versammelten sich alle Teilnehmenden im Saal. Die Gen-Band eröffnete den Tag musikalisch, bevor eine berührende Meditation über Freundschaft folgte, gestaltet von Mira, einer muslimischen Gen aus Jordanien, und Mathis aus Belgien. Zwei Menschen unterschiedlicher religiöser Traditionen vereint auf der Bühne zu sehen, war für mich ein starkes Zeichen gelebten Friedens.

Im weiteren Verlauf führte Giuseppe Pellegrini in das Thema Einheit innerhalb der Gen-Gemeinschaft ein. Eins zu werden bedeute nicht, die eigene Originalität aufzugeben, sondern sie bewusst in ein größeres Ganzes einzubringen. Einheit sei kein statischer Zustand, sondern brauche stetigen Dialog. Besonders bewegend war ein Impuls über Chiara Lubich und ihre Sicht auf die Gen-Bewegung als lebendigen Ausdruck des Fokolar-Charismas. Dieser Gedanke begleitete mich durch den restlichen Tag.

Am Nachmittag folgten Workshops zu Themen wie Diversität und Inklusion, Interkulturalität oder der Rolle der Fokolar-Bewegung heute. Die anschließende Messe schenkte mir einen Moment der Ruhe und des Innehaltens. Am Abend folgte nämlich ein Konzert von Mosaico und Contraste sowie eine lebhafte Party, bei der getanzt, gesungen und viel gelacht wurde. An Schlaf war kaum zu denken.

Der Montag stand unter dem Motto „Re-Connect with the World“. In weiteren Workshops, unter anderem zu NGOs, Klimaschutz, Frieden und künstlicher Intelligenz, wurde deutlich, wie sehr unser Glaube auch gesellschaftliche Verantwortung einschließt. Beim offenen Mikrofon teilten viele ihre emotionalen Erfahrungen, die von Tiefe und Dankbarkeit geprägt waren. Speziell berührten mich die Worte eines spanischen Gen: «Es war für mich ein Nachhausekommen. Wo ich vorher im Glauben gezweifelt habe und mich verlassen fühlte, hat sich Klarheit und Dankbarkeit eingestellt. Ich fühle mich aufgehoben. Danke!» Es flossen Tränen bei seinen Worten sowie auch bei vielen weiteren Erfahrungen.

Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen hieß es Abschied nehmen. Ciao zu sagen fiel schwer, doch gleichzeitig blieb ein tiefes Gefühl von Erfüllung und innerer Stärke. Für mich war dieser Kongress ein großes Geschenk: die Erfahrung, Teil einer weltweiten Gemeinschaft zu sein, die dieselben Werte teilt und gemeinsam unterwegs ist.

Ein Beitrag von Gioia Maria Gosatti, Lukas Meyer und Samuel Meyer. Die Fotos sind von Gioia Maria Gosatti, Míriam Bofill und Leandro Silva.