Das Treffen des Zonenrats war davon geprägt, miteinander die Wende zur Einheit besser zu verstehen

Zur diesjährigen Begegnung des Zonenrats waren 84 Personen von Donnerstag, 8. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober, im Mariapoli-Zentrum in Wien zusammengekommen. Sie vertreten die verschiedenen Aspekte, Initiativen und Regionen der Fokolar-Bewegung in der D-A-CH-Zone.

Was passiert bei einer solchen Begegnung? Einige Grundanliegen des Zonenrats bleiben über die Zeit hinweg die gleichen: Die gemeinsamen Tage bieten die Chance, einander näherzukommen, Beziehungen zu vertiefen und den Austausch zu pflegen – persönlich und zwischen den Gruppierungen, Zonetten und Dialogen. Einige Blitzlichter auf die Begegnungen und die Berichte, die vor allem den Donnerstagabend und den Freitag geprägt haben, finden sich hier auf mariapoli.net mit vielen sprechenden Bildern.

Andere Elemente der dreitägigen Begegnung sind spezifischer. Sie ergeben sich aus dem, was die Fokolar-Bewegung weltweit und in der Zone gerade lebt. Die diesjährige Begegnung des Zonenrats war deshalb geprägt von der „Wende zur Einheit“, die die Generalversammlung der Fokolar-Bewegung im März 2026 mit Nachdruck angeregt hatte. Es ging darum, gemeinsam besser zu verstehen, was mit dieser Wende gemeint ist, ihr Anliegen innerlich nachzuvollziehen und dann auch besser erklären zu können. Auch wenn insbesondere der Samstag und der Sonntag diesem vertieften Verständnis gewidmet waren, das Thema war von Anfang an präsent.

Ein Such-Prozess

So sprach Roberto Rossi bei der Begrüßung am Freitag davon, dass „diese Wende ein Prozess und kein Zustand“ sei, es deshalb gut sei, sie zu vertiefen, es aber wohl eine beständige Herausforderung bleibe, sie zu fassen.
Uschi Schmitt erinnerte noch einmal an die Umstände, die bei der Generalversammlung dazu geführt hatten: Auch wenn der Auslöser die Anmerkungen des „Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben“ zu den vorgeschlagenen Änderungen im Statut der Fokolar-Bewegung waren, hatte einer der Teilnehmer die gemeinsame Auseinandersetzung damit ganz entschieden als „eine Wende, in dem, wie wir auf das Charisma, das Leben der Einheit schauen“ beschrieben. Damit – so Uschi Schmitt – war die „Wende der Einheit“ auch ins Schlussdokument eingegangen. „Seitdem gehen wir im Werk einen gemeinsamen Weg der Vertiefung und des besseren Verständnisses“ – genährt auch durch verschiedene Impulse, wie den aus der letzten Collegamento-Schaltung, mit dem der Zonenrat in den Freitag startete.

Wichtige Etappe auf dem gemeinsamen Weg des Verstehens war für den Zonenrat dann der Bericht der beiden Zonendelegierten vom Treffen aller Delegierten weltweit mit dem Zentrum des Werkes.

In der Zoomschaltung mit über 450 Anschlüssen am Freitagabend wurde vor allem das Bemühen deutlich, dass die „Wende der Einheit“ sich auch in den konkreten Arbeitsbeziehungen niederschlägt: etwa wenn die Delegierten sich mit dem Zentrum die Zeit nehmen und sich der mühsamen Herausforderung stellen, Aufgabenbeschreibungen und Abläufe zu definieren und als „Spielregeln“ für ihre Zusammenarbeit in den nächsten fünf Jahren niederzuschreiben. Dazu gehört auch ihre Arbeit daran, nun endlich schon in den vergangenen Jahren immer wieder angesprochene Kriterien festzuhalten, die als Grundlage zur Beurteilung der Arbeit (nicht der Person) der Delegierten dienen, bevor diese dann wie im Statut vorgesehen alle drei Jahre neu bestätigt werden.

Sehr wichtig war in diesem Zusammenhang auch die Begegnung mit Vertretern des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben. Im Namen des Präfekten Kardinal Kevin Farrell waren der stellvertretende Sekretär Bischof Dario Gervasi, die Untersekretärin Linda Ghisoni sowie die Referentin und Expertin für Laiengemeinschaften, Isabelle Cassarà, für einen Vormittag an das Zentrum der Bewegung gekommen. In einem intensiven Miteinander berichteten die Delegierten ihnen, was nach der Generalversammlung in den Zonen geschehen war, wie das Geschehen der Generalversammlung aufgenommen worden war. Auch ein Ehepaar (verheiratete Fokolare), Werner Peier (reformierter Fokolar) und Mirvet Kelly (syrisch-orthodoxe Fokolarin) gaben Zeugnis von ihrem Leben im Charisma der Einheit. Die Begegnung war geprägt von großer gegenseitiger Offenheit. Uschi Schmitt und Roberto Rossi sprachen von der Betroffenheit der drei Gäste. „Wir brauchen Gesichter!“, hatte dann auch eine von ihnen die Notwendigkeit der persönlichen Begegnung betont. Gleichzeitig erzählten die beiden Delegierten, wie sie die Einwände und Nachfragen zum Verständnis des Lebens in der Bewegung von Seiten der vatikanischen Behörde neu als Chance wahrgenommen haben, „zu überprüfen, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist und daraus dann nachhaltige Strukturen für die Zukunft aufzubauen“.

„Still confused“

Zum Start in den Samstag gab es beim Zonenrat in Wien erst einmal Zeit, das bisher Erlebte und Wahrgenommene gemeinsam anzuschauen, Fragen einzubringen und Gedanken zu teilen. Nicht nur in dieser Runde wurde die Komplexität deutlich. „Wie schaffen wir eine gesunde Selbstreflektion der eigenen Schwächen und möglichen Gefahren, ohne in Zerknirschtheit oder Lähmung zu verfallen?“, fragte jemand. Vor allem die jüngeren Vertreterinnen und Vertreter mahnten an, nicht beim Blick auf die Vergangenheit stehen zu bleiben, sondern mutig den Weg in die Zukunft zu gehen. – Andere unterstrichen: „Wichtig ist, dass wir wahrnehmen, was in der Vergangenheit passiert ist, dass wir uns eingestehen, dass wir – vielleicht im guten Glauben, dass wir richtig lagen – übergriffig waren, moralisierend … Und dass wir daraus lernen.“ Jemand hatte für sich verstanden: „Für mich geht es um eine Weiterentwicklung unseres Beziehungslebens.“ Und ein Teilnehmer berichtete von der Sorge anderer, die sich fragten: „Geben wir etwas von dem preis, was Gott uns im Ideal der Einheit geschenkt hat, wenn wir für dieses reflektierte Verständnis von Einheit auch kritisch auf die Texte von Chiara schauen?“

Der Moderator Thomas Leutgöb fasste diesen Austausch wohl nicht nur für sich so zusammen: „I‘m still confused, but on a higher level.“ (Ich bin noch immer verwirrt, aber auf
höherem Nievau.)

Die Chance, zu lernen

Mögliche Fallen und Missverständnisse im Leben der Einheit waren dann Thema in einem anschließenden Impuls. Kopräsident Roberto Almada hatte Überlegungen dazu bei einer Begegnung mit der „Mariapoli Romana“ geteilt, denjenigen, die in den verschiedenen Diensten und Zentren der Bewegung in Rocca di Papa leben und arbeiten. Das war in Wien dann Ausgangspunkt für vertiefende Kleingruppengespräche. Zunächst hatte jedoch jede und jeder die Möglichkeit, sich persönlich mit diesen Fallen und Missverständnissen auseinanderzusetzen; etwa mit Fragen wie: Wo (in welchen Situationen) habe ich Kontrolle des Gewissens, Einmischung in persönliche, innere Entscheidungen erlebt oder auch selbst gelebt? Wo Moralismus, der nicht die Person, sondern allgemeine Leitsätze im Blick hatte? Belege ich Menschen mit „Etiketten“ und Einstufungen (positiv wie negativ)? Erlebe oder erlebte ich Gruppendruck, der so stark war, dass er dem/der Einzelnen die Freiräume zur Entscheidung nimmt? Können wir in unseren Gruppen und Kreisen wirklich zuhören, oder stehen die einzelnen Beiträge nur nebeneinander, ohne dass Dialog entsteht?

Die persönliche Besinnung und das gemeinsame Gespräch darüber in 3er-Gruppen führten in die Tiefe, gaben auch den einen oder anderen Hinweis auf erfahrene Verletzungen, verstärkten aber auch die Notwendigkeit von Achtsamkeit in den Beziehungen untereinander. Dankbar erkannte die eine oder andere Gruppe auch Veränderungen, die sich nicht erst seit der Generalversammlung zeigen, sondern das Leben der Fokolar-Bewegung an einigen Punkten bereits prägten – etwa bei den Schulungskursen für ganze Fokolargemeinschaften. Sehr deutlich war dabei, dass es um einen beständigen Prozess geht, der bei jedem/jeder beginnt, aber auch in eine gemeinschaftliche Schärfung des Verständnisses führen kann und soll.

Weiter auf dem Weg

Dass es um eine grundlegende Neuausrichtung aus einer tiefen Vereinigung mit Gott geht, das unterstrichen Gedanken von Margaret Karram, die sie bei einer Begegnung mit Angehörigen der Fokolar-Bewegung in Trient geteilt hatte. Die Wende erfordert eine Hinwendung zu Gott und eine Zuwendung zueinander. Als Einzelne und gemeinsam. Beides – so die Hoffnung der Präsidentin – werde zu einer reiferen Mitverantwortung in großer innerer Freiheit aller in der Fokolar-Bewegung führen. Dazu, dass alle besser und tiefer verstehen, wie das Charisma der Einheit heute in dieser Welt zum Geschenk werden kann.

Es war eines der Ziele des Zonenrats, besser zu verstehen, was mit der Wende gemeint ist. Wer dazu eine präzise Definition erwartet hatte, ist sicher nicht ganz auf seine Kosten gekommen. Hingegen gab es in diesen drei Tagen Hinweise und Wegspuren, die auf den weiteren Weg weisen können – als Einzelne und gemeinsam in den Gemeinschaften, Zweigen und Gruppierungen:

  • die persönliche Beziehung zu Gott vertiefen,
  • immer wieder von ihm her Klarheit für den Weg erbitten,
  • den Fokus neu auf das Beziehungsgeschehen richten, dabei Maß nehmen am dreifaltigen Leben Gottes (Einer und Drei),
  • Räume schaffen, in denen ein ehrliches, offenes Gespräch auch über Schwierigkeiten, Fragen, Fallen und Missverständnisse im Leben der Einheit möglich ist,
  • die Ungleichzeitigkeit der Erfahrungen, Empfindungen und Bewertungen aushalten und dennoch gemeinsam auf der Suche bleiben.

Der Zonenrat endete am Sonntag. Aber der gemeinsame Weg zur Vertiefung des Lebens der Einheit ist lange nicht zu Ende. Das spürten viele. Er führt in dieses neue Bewegungsjahr mit der Chance, die Einheit neu – und reifer – als kostbares Geschenk Gottes zu entdecken, und mit der Einladung, auf den Ruf zu antworten, daran mitzuwirken, dass dieses Geschenk für viele erfahrbar wird.

Ein Beitrag von Gabi Ballweg (veröffentlicht im gedruckten Heft „mariapoli – Nachrichten der Fokolar-Bewegung“); Fotos: Ulrike Comes, Blugot Breunhälder, Savi Puchinger