Zum Jahrestag des Paktes schicken die beiden allen nicht nur einige persönliche Worte, sondern auch einige Worte von Chiara zum „sich eins machen“.

Ihr Lieben,

am 16. Juli jährt sich der „Pakt“, ein Ereignis, das Chiara als grundlegend für die gemeinschaftliche Spiritualität bezeichnet. In dieser historischen Zeit, in der wir dazu aufgerufen sind, die Qualität unserer Beziehungen und unserer Einheit zu vertiefen, schauen wir auf einige Vorschläge, die Chiara selbst uns gegeben hat, ausgehend von einer der „Künste“, die gegenseitige Liebe zu leben: das „sich eins machen“.

Lassen wir uns zum Nachdenken, Hinterfragen und auch zur Ermutigung anregen von diesem Schritt auf unsere Brüder und Schwestern hin – der seine Wurzeln in der Beziehung zu Gott hat. Wir können sicher sein, dass Er jedes Engagement segnet, dass es Früchte tragen wird, auch dort, wo unsere Kräfte nicht ausreichen oder die gewünschten Ergebnisse ausbleiben.

Einen herzlichen Gruß euch allen,

Als Impuls für diesen Tag schlagen sie uns den folgenden Text vor. Er ist aus einem Vortrag von Chiara beim Ökumenischen Bischofstreffen in Istanbul vom 9. Oktober 1984.

[…] Sich eins machen. Aber was setzen diese drei kurzen Worte voraus, die so wichtig sind, weil sie uns zeigen, wie wir lieben sollen? Es ist unmöglich, sich mit dem anderen eins zu machen, in das Innere des Nächsten einzudringen, um ihn zu verstehen und seinen Schmerz zu teilen, wenn unser Geist voll ist von einer Sorge, einem Urteil, einer Meinung… was auch immer. Das Sich-eins-Machen verlangt, dass wir im Geiste arm sind; nur so ist die Einheit möglich.

Und auf wen können wir schauen, um diese große Kunst der Armut des Geistes zu erlernen? Es ist eine Kunst, die – wie das Evangelium sagt – das Himmelreich, das Reich der Liebe mit sich bringt und die Seele mit Liebe erfüllt. Wir schauen auf Jesus den Verlassenen. Niemand ist ärmer als er: Nachdem er fast alle Jünger verloren und uns seine Mutter gegeben hat, gibt er auch noch sein Leben für uns und hat das schreckliche Gefühl, dass ihn sogar sein Vater verlässt.

Wenn wir auf ihn schauen, verstehen wir, dass wir aus Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern alles geben oder zurücklassen müssen: Die Dinge dieser Erde und – wenn es sein muss – in gewissem Sinne auch die Güter des Himmels. Im Blick auf ihn, der sich ja von Gott verlassen fühlte, müssen wir – wenn die Liebe zu den Brüdern und Schwestern es erfordert (und das kann oft der Fall sein) – sogar bereit sein, Gott sozusagen für Gott zu lassen: z.B. Gott im Gebet zu lassen, um uns eins zu machen mit dem Nächsten, der uns braucht (oder Gott zu lassen in dem, was uns als Inspiration erscheint, um innerlich ganz frei und leer zu werden, um den Schmerz des anderen in uns aufzunehmen). Im Blick auf Jesus den Verlassenen ist jeder Verzicht möglich. Das Sich-eins-Machen schließt also diesen Verzicht ein. […]