Klöster als Bildungszentren, jahrhundertealte Handschriften, brennende Kerzen und gelebte Gastfreundschaft: Der christliche Glaube ist in Armenien allgegenwärtig. Die Gebetswoche 2026 verbindet dieses Erbe mit heutigen Erfahrungen von Zusammenhalt, Widerstandskraft und ökumenischer Hoffnung.
Die Texte für die diesjährige Gebetswoche vom 18. bis 25. Januar 2026 haben die Christen der Armenisch Apostolischen Kirche zusammen mit den Minderheitsgemeinschaften der evangelischen, der armenisch-katholischen und der römisch-katholischen Kirche verfasst. Emanuela Chiapparini hat ein Semester in Armenien studiert und kann uns mehr dazu sagen.
Die Apostel Taddäus und Bartholomäus brachten das Christentum direkt nach Armenien. Deshalb ist das Wort „Apostolisch“ für die Gläubigen der Armenisch Apostolischen Kirche sehr wichtig, weil sie anders als die orthodoxe Kirche einen direkten Bezug zur ersten christlichen Gemeinschaft haben. Bereits 301 n.Chr. wurde das Christentum zur Staatsreligion von Armenien.
Der alltagsnahe und geschichtsträchtige Glaube ist in Armenien unübersehbar:
- Hunderte von Klosteranlagen, die im Mittelalter Universitäten und Bildungszentren für Mathematik, Astrologie, Theologie, Philosophie, Medizin, Sprachen oder Biologie waren, werden von Touristen und von Armenier:innen rege besucht. In den Kirchen brennen jeden Tag Kerzen. Eine sozialwissenschaftliche Konferenz, die ich besuchte, war so angesetzt, dass alle Teilnehmenden noch den Gottesdienst in der naheliegenden Klosteranlage besuchen konnten.
- Der Glaube bildet die kulturelle Identität von Armenien. Er hält das Volk zusammen: während der mehr als tausendjährigen Fremdherrschaft, einem Genozid, Kriegen oder den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Krisen.
- Es gibt viele Ausdrucksformen des alltagsnahen Glaubens der armenischen Bevölkerung: tradierte Lieder, Handschriftensammlungen (es gibt z.B. ein vollständiges Evangelium aus dem Jahr 887), Chatschkar (Gestein mit einem Kreuz, der Himmel und Erde verbindet und auf den Feldern, in Friedhöfen an Gott erinnert), sehr alte Kirchen (bis ins vierte Jahrhundert zurückgehend) und Klosteranlagen. Außerdem findet sich überall eine herzlichen Gastfreundschaft sowie tatkräftige Hilfsbereitschaft.
- Religionsgemeinschaften wie Yesiden oder Assyrer:innen, die keine eigene Nation haben, finden in Armenien eine Heimat.
Die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2026 lädt dazu ein, aus diesem gemeinsamen christlichen Erbe zu schöpfen und unsere Gemeinschaft in Christus zu vertiefen.
Im Rahmen der Gebetswoche der Einheit für die Christen finden an verschiedenen Orten Gebete und Andachten statt. Claudia Fricker, eine Freiwillige, und ihr Mann engagieren sich dabei seit mehreren Jahren im deutschsprachigen Jura in der katholischen und reformierten Kirche und organisieren auch dieses Jahr drei Abendveranstaltungen. Zu einer luden sie mich ein, einen Impuls mit Wort und Bild darüber zu geben, wie ich den alltagsnahen und geschichtsträchtigen Glauben der Armenier:innen während meines letztjährigen Arbeitsaufenthaltes an der Yerevan State Universität erlebt habe.
HIER kann man die Materialien zur Gebetswoche herunterladen.





Beitrag und Fotos von Emanuela Chiapparini.