450 Personen aus Nah und Fern waren am 9. Juni gekommen, um sich gemeinsam von der Siedlung der Bewegung in der Westschweiz zu verabschieden. Margaret Karram richtete den Blick dankbar auf das Erbe der Siedlung für die Zukunft.
Samstag, 8. Juni 2024. Ein nicht nur in der Siedlung Montet in der Westschweiz mit unterschiedlichen Empfindungen erwarteter Tag. War es doch jener, an dem der offizielle Schlusspunkt unter eine 43-jährige Erfahrung gesetzt werden sollte.
Auch wenn der Anlass nicht so freudig war: Es sollte ein Dank-Fest werden, so hatte es in der Einladung geheißen. Schließlich hatten an diesem Ort im Lauf der Jahre über 3500 Menschen – vor allem angehende Fokolarinnen und Fokolare und Jugendliche – eine prägende Erfahrung für ihr Leben gemacht; ganz zu schweigen von den Besucherinnen und Besuchern, die als Tagesgäste oder für einige Tage dort vorbei gekommen waren. Nicht zuletzt wegen dieser Erfahrungen haben sich dann an besagtem Samstag auch gut 450 Personen – teilweise sogar aus den Kontinenten und von vielen europäischen Ländern – auf den Weg in die Westschweiz gemacht. Die Gemeinde war durch die Vize-Bürgermeisterin und Bewohner vertreten; langjährige Wegbegleiter der Siedlung kamen aus der näheren Umgebung, aber auch aus Genf vom Weltkirchenrat; vom internationalen Zentrum der Bewegung war eine Gruppe zusammen mit Margaret Karram und Jesús Morán angereist; aus der ganzen D-A-CH-Zone, vor allem aus allen Ecken der Schweiz waren Menschen gekommen, um diesen einschneidenden Schritt gemeinsam zu machen.
Und sie waren gern gekommen. Das spürte man direkt. Beim Eintreffen standen sie im Park in kleinen Gruppen beieinander, tauschten Erinnerungen aus; hier und da hörte man freudige Ausrufe von jenen, die sich nach langer Zeit wieder begegneten. Zum Glück hat das Wetter mitgespielt.
Maria Regina Piazza und Markus Näf, bisher verantwortlich für die Siedlung, begrüßten dann die Gästeschar im großen Saal, von wo aus das eineinhalbstündige Programm auch in andere Räume übertragen wurde. Sie riefen noch einmal in Erinnerung, was zu diesem Schritt geführt hatte: Der endgültigen Entscheidung zur Schließung von Montet am 11. September 2023 war ein längerer Findungsprozess vorausgegangen, in den die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Leitungsteam der Siedlung in Montet, das Zentrum der Bewegung in Rom sowie Verantwortliche und Mitglieder der Fokolar-Bewegung in Schweiz, Österreich und Deutschland einbezogen waren. Natürlich sei es ein schmerzhafter Schritt, aber auch – so die beiden Verantwortlichen – „ein Zeichen der Reife“, dass die Bewegung diesen gemeinsam mache, ihn bewusst miteinander lebe und offen darüber spreche.









Daran knüpfte auch die Fokolar-Präsidentin an, die froh war, „hier zu sein, um diesen wichtigen Schritt gemeinsam mit euch allen zu gehen.“ Die Entscheidung sei Teil eines Prozesses der Umstrukturierung, den die Fokolar-Bewegung weltweit durchführt. Dieser betreffe aber nicht nur Strukturen, sondern sei „vor allem darauf ausgerichtet, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören, damit unser Charisma der Einheit heute dort wirken kann, wo es am meisten gebraucht wird; dort wo die Herausforderungen uns anfragen, einen spezifischen Beitrag der Einheit und der Geschwisterlichkeit zu geben.“
Dabei würden auch die Umstände – wie der Rückgang der Berufungen und die damit einhergehende Neustrukturierung der Ausbildung angehender Fokolarinnen und Fokolare – Gottes Plan zeigen. Trotzdem: „Wir können und wollen den Schmerz nicht verbergen, … Es ist, als ob wir Zeuge des Beschneidens eines Baumes werden, der viele Jahre lang so viele schöne Früchte getragen hat. Und das tut natürlich weh“, unterstrich Margaret Karram. „Ich bin jedoch sicher, dass das, was hier in Montet in über 40 Jahren getan und gelebt wurde, ein Erbe ist, das niemals sterben wird, im Gegenteil! Die Früchte, die es gebracht hat: Berufungen, die Ausbildung so vieler Fokolare und Fokolarinnen, so vieler junger Menschen; die Erfahrung von Familie …“ Das alles habe gezeigt, dass es möglich ist, Tag für Tag ein Leben in echter gegenseitiger Liebe zu führen. Und auch wenn es im Laufe der Jahre Schwierigkeiten, Sorgen – „sogar große Sorgen“ – gegeben habe, „die wahre Essenz dieses Ortes“ sei das Leben in der Gegenwart Jesu. Dieser Lebensstil habe durch die Menschen, die dort gelebt haben, buchstäblich die ganze Welt erreicht. Und diese Erfahrung könne nicht ausgelöscht werden. „Viele Dinge kann man vergessen: Häuser, Orte, sogar die Naturschönheiten der Schweiz, aber nicht eine prägende Erfahrung. Sie bleibt in der Seele eingeschrieben und niemand kann sie uns wegnehmen.“












In den vergangenen 40 Jahren fand im Schulungs- und Begegnungszentrum „Mariapoli Foco“ das zweite Jahr der Ausbildung zukünftiger Fokolarinnen und Fokolare aus den verschiedenen Kontinenten statt. Außerdem absolvierten hier jedes Jahr Jugendliche aus aller Welt eine jeweils zehnmonatige Lebensschule. Rund um diese „Schulen“ hatte sich eine kleine Siedlung gebildet, mit zuletzt 40 ständigen Bewohnerinnen und Bewohnern, die teilweise als Dozentinnen und Dozenten der Schulen tätig waren, Werkstätten leiteten oder sonst zum Betrieb des Zentrums beitrugen.
Auch mit Blick auf diese Personen lud Margaret Karram ein: „Freuen wir uns also auf die Zukunft! Jetzt werden viele von euch in andere Städte, andere Länder und andere Gemeinschaften der Fokolar-Bewegung gehen, und so werdet ihr die wertvolle Erfahrung mitnehmen, die ihr hier gemacht habt (…). Das ist es, was ich jedem und jeder Einzelnen wünschen möchte: dort weiterzumachen, wo Gott uns will, um für die Menschheit zu leben.“
Im Anschluss wurde als sichtbares Zeichen der Verbundenheit – mit all den Menschen in der Region und der Gemeinde – ein Friedenswürfel vom Park der Siedlung an den Gemeindepark übergeben. Viele Gäste blieben noch lange bei angenehmer und gelöster Stimmung beieinander.


Wie es weitergeht
Schon im Dezember 2023 war der letzte Kurs der „Fokolar-Schulen“ abgereist; Ende Juni 2024 brachen die Jugendlichen der Gen-Schulen auf und mit ihnen ein Großteil der 40 ständigen Bewohnerinnen und Bewohner. 16 bleiben für anstehende Arbeiten noch bis November, danach sind noch eine Männer- und eine Frauenfokolargemeinschaft vorgesehen.
Seit einigen Monaten ist eine vierköpfige Kommission mit zwei Makleragenturen über Schätzung und Verkauf der Gebäude und des Grundstücks im Gespräch. Mit dem Verkauf soll bald begonnen werden, auch wenn daneben noch bebauungsrechtliche Fragen mit der Gemeinde zu klären sind. Das kann bis zu zwei bis drei Jahre dauern. Erste Kaufinteressen sollen aber inzwischen geprüft werden. Bis die nötige Rechtssicherheit besteht, kommt auch eine Zwischennutzung als Überbrückung in Betracht. So hat eine Musikschule schon Interesse an der Anmietung einiger Räume angemeldet. Für eine gute Lösung darf gelebt und gebetet werden.


Ein Beitrag von Gabi Ballweg, Fotos von Isabelle Varone, Richard Böhi, Luiz Naback und Archiv NST