Drei Wochen trafen sich die Zonendelegierten mit dem Generalrat. Eindrücke nach einer Zoomschaltung. 

Wie soll man eine so intensive Erfahrung in einer Stunde zusammen fassen? Diese Frage stellten sich Uschi Schmitt und Roberto Rossi gleich zu Beginn der Zoom-Schaltung am 11. Dezember 2024, zu der sie alle Angehörigen der Fokolar-Bewegung aus dem D-A-CH eingeladen hatten. An über 540 Bildschirmen waren – teilweise mehrere – Personen dieser Einladung gefolgt. Sie wollten teilhaben an dem, was die beiden beim Treffen der Zonendelegierten mit dem Generalrat der Fokolar-Bewegung ge- und erlebt hatten. 

Ihre Frage beantworteten die beiden Delegierten sich mit: „nahezu unmöglich“. Trotzdem konnten sie mit ihren „Pinselstrichen“ wohl vielen einen wesentlichen Eindruck vermitteln – das zumindest ließen die Chat-Nachrichten am Ende erahnen.

Es scheint genauso unmöglich, das alles nun in einigen Zeilen zu fassen. Vieles lässt sich aber in den Berichten von Stefania Tanesini, der Sprecherin des Internationalen Zentrums, nachlesen, die auf der Plattform mariapoli.net zu finden sind (am einfachsten, wenn man bei Suche „Jahresversammlung“ eingibt). Wenige Eindrücke.

Gotteserfahrung

Dem Treffen der Zonendelegierten in Loppiano war eine Woche in Castel Gandolfo (Rom) vorausgegangen. Die Delegierten, das Zentrum des Werkes und die beiden Zentren der Fokolarinnen und Fokolare haben dabei auf die Berufung des Fokolars geschaut – unter dem Titel „Wo und wie will Gott uns heute?“

Präsidentin Margaret Karram und Ko-Präsident Jesús Morán hatten von Anfang an betont, so Uschi Schmitt, „wie unverzichtbar unser Leben mit Gott ist. Die lebendige Begegnung mit Jesus. Margaret wünschte sich, dass diese Tage den ‚Duft von Heiligkeit’ (‚sacralitá‘) hätten.“ Und sie hatte alle eingeladen, sich vor Gott zu stellen in dem Bewusstsein, dass jede Entscheidung Menschen betrifft. 

„Das waren starke Worte“, so Uschi Schmitt, „und nur wenige Stunden nach diesen Worten ist Griselda Imvinkelried, die Delegierte für Argentinien und Chile, von uns gegangen.“ Ihr plötzlicher Tod war ein „riesiger Schock“, eine Wende. „Es ging nicht mehr um Planungen, Verbesserungen, Strategien. Sondern darum, alles von dieser endgültigen Begegnung mit Jesus her anzuschauen und zu prüfen, ob das, was wir machen, dieser Begegnung dienen wird. Alles war anders. Die ‚sacralitá’ hat die Oberhand bekommen.“ Und zog sich dann durch die drei Wochen.

Roberto Rossi lenkte den Blick vom Anfang direkt auf den Abschluss: Margaret habe unterstrichen, dass das Treffen für sie „der Beginn einer Veränderung“ gewesen sei. Sie verglich das mit einem Computernetzwerk: Am Anfang sei alles auf einen Computer hin – übertragen auf die Bewegung: auf das Zentrum, auf Chiara hin – organisiert gewesen. In den letzten Jahren und auch bei diesem Treffen hätten sich Vernetzungen gebildet, viele Knotenpunkte. Man arbeite mehr zusammen, nicht nur mit dem Zentrum, sondern auch untereinander. Es gäbe viel gegenseitiges Zuhören und keine Erwartungshaltung. „Das haben auch wir gespürt“, so Roberto Rossi. „Es passiert schnell, dass man mit den eigenen Fragen und Problemen ankommt und eine Lösung haben will. Aber das war nicht der Fall. Man spürte eine große Verantwortlichkeit, den Wunsch und die Bereitschaft, gemeinsam Antworten zu finden.“

Jemand habe Margaret dann gefragt: „Hast du den Eindruck, dass wir wirklich dem lebendigen Jesus in unserem Leben, in unseren Gemeinschaften begegnen? Dass wir uns ganz vom Evangelium durchdringen?“ Margaret habe geantwortet: „Ich weiß es nicht.“ Sie gab so die Frage zurück, meinte Roberto Rossi, „und bat uns, darauf zu antworten. Das war gut. So sind wir abgefahren mit dem Blick ausgerichtet darau, ihn zu entdecken. Denn er ist da. Das ist bei allen Unsicherheiten ganz sicher.“

Arbeitstreffen

Wohin ruft Gott die Bewegung heute? Entscheidungsprozesse und wie Delegieren in die Praxis umgesetzt werden kann – Schutz der Person, sexueller Missbrauch und Autoritätsmissbrauch – Vorbereitungen für die Generalversammlung (im März 2026) – Herausforderungen und finanzielle Perspektiven der Bewegung (VEO: Visione Economica dell’Opera) – Rückblick und Reflexion über das Genfest. – Nicht nur diese lange Liste an Themen zeigt: Es war ein intensives Arbeitstreffen. Und es ging nicht – wie vielleicht in vergangenen Jahren – in erster Linie um die Berichte aus den Zonen und vom Zentrum, sondern darum: Gemeinsam die Fragen und Herausforderungen, den Ist-Stand anschauen und nach Wegen in die Zukunft suchen. Welche Weichenstellungen und Schritte will Gott für die Zukunft?

Die eine oder andere Folie, die Uschi Schmitt und Roberto Rossi zeigten, machten deutlich, dass es da – etwa bei der Umstrukturierung am Internationalen Zentrum – auch um handfeste Zahlen geht, um Analysen, um Managementfragen. Das mag dem einen oder der anderen zunächst fremd, nüchtern oder zumindest ungewohnt anmuten. Nichtsdestotrotz – auch das ließ sich erahnen – sind diese Blickwinkel ein wichtiger Teil einer ganzheitlichen Sicht auf die Situation.

Balance

Gleichzeitig ließ sich erahnen: Aufgrund der veränderten Gegebenheiten ist es notwendig, sich immer wieder mit den eigenen Strukturen (dem Statut, dem Aufbau des Werkes, des Zentrums) und der eigenen Geschichte (nicht zuletzt durch die Aufarbeitung von Missbrauch) auseinanderzusetzen. Und es gilt auch, dabei immer wieder neu ins Bewusstsein zu rufen, dass das Charisma der Einheit ein „Geschenk für …“ ist; es also immer auch um das Leben für andere geht, darum, der Verantwortung für diese Gabe im Leben mit den Menschen und für die Welt gerecht zu werden.

Der Titel des Treffens lautete: „Die Gegenwart deuten und die Zukunft in den Blick nehmen, um das Charisma zum Leuchten zu bringen“. Der Zoom-Abend mit Uschi Schmitt und Roberto Rossi zeigte eindrücklich, dass dies in diesen Woche nicht nur leere Worte waren. Sie immer neu zu leben, bleibt aber nicht nur für die Zonendelegierten eine Herausforderung. Es kann wohl nur gelingen, wenn alle gemeinsam den „geistlichen Wasserspiegel immer wieder hoch halten“, wie Jesús Moràn am Ende des Delegiertentreffens für die ganze Bewegung angeregt hatte.       

Ein Beitrag von Gabi Ballweg (aus dem gedruckten Heft 1/2025); Fotos: (c) Austin Im