Bernhard Keutgens, ein belgischer Fokolar, der aktuell in Syrien lebt, erzählt von einem Tag in Homs.

In diesen Tagen hatte ich Gelegenheit, an verschiedenen Veranstaltungen der sozialen Projekte der Fokolar-Bewegung, vor allem in Homs, teilzunehmen. “Restart“, „Dream“, “Die Flamme“ organisierten die Übergabe von Schulzertifikaten und den Übergang einiger Schüler, die aus den Förderklassen in das offizielle staatliche Schulsystem wechseln.

In Homs gibt es 30 einzelne Projekte, in ganz Syrien sind es 85.

Es fehlen mir die Worte, das auszudrücken, was ich im Herzen habe. Manchmal sitze ich in der ersten Reihe, aber heute saß ich in der letzten Reihe und konnte mich mit den Menschen, die vor mir saßen, einfach nur freuen: mit Geschwistern, Vätern, Müttern, Freunden von Schülern. Die Mehrzahl der Teilnehmer war muslimisch.

Meine Worte reichen nicht aus, um das zu beschreiben, was in den einzelnen Projekten gelebt wird, sei es auf Ebene der Animatoren und der Lehrer, aber auch das, was das Büro „Samen des Friedens“ in Homs und Aleppo leistet.

Vier Aspekte möchte ich in den Vordergrund rücken:

Die Würde

Ich konnte spüren, wie diese Projekte den Menschen Würde verleihen. Jeder ist wichtig.

Und gleichzeitig eine Dimension von Mensch-Sein, denn man bleibt nicht bei sich selber stehen, man interessiert sich für die anderen, auch für das andere Projekt, von dem man lernen kann. Vor allem im Projekt „Restart“ habe ich das stark wahrgenommen, aber auch in den anderen; die Menschen beginnen, Beziehungen untereinander aufzubauen, sich gegenseitig zu respektieren, sie beginnen zu lieben.

Die Hoffnung

In diesem tragischen Moment des Landes (Januar 2024), wächst unter den Menschen Hoffnung, zutiefst aus den Reserven zu schöpfen, die Kraft zu teilen, zu lehren, auszuprobieren. Ein echter „Same der Hoffnung – ich bin ca. 600 Menschen begegnet innerhalb von vier Tagen in drei Projekten.

Die Freude

Welche Freude in den Gesichtern der Menschen, die ein Zertifikat überreicht bekamen, einen Kurs abgeschlossen hatten, Kinder, die ein Lied gesungen haben oder ein kleines Theaterstück zeigten (Projekt Dream), die Freude der Mütter.

Für mich war die Freude in den Gesichtern der Männer das stärkste. Vielleicht weil sie im Herzen noch stärker die Dramatik erleben, für ihre Familien sorgen müssen, ihre Rolle verloren haben und in Enttäuschung oder Depression gefallen sind. Sie hatten heute am Ende des festes ein Lächeln im Gesicht –  war es nur ein Traum? Dream…

Die Menschheit

Eine neue Menschheit, erneuert durch die Liebe.

Vom hintersten Platz des Saales aus, der voll war, zusammen mit vielen Muslimen, nahm ich wahr, dass sie von etwas berührt waren. Ich wage zu sagen, sie waren von der Liebe berührt, der Liebe derer, die ausgesät haben. Samen der Hoffnung: Lehrer, Begleiter, Fokolare …und viele andere.

Hier baut man wirklich an einer einzigen neuen Menschheit, in der es für jeden einen Platz gibt.

Alle haben die Liebe Gottes berühren können, vielleicht auch ohne es zu wissen. Auch durch die vielen, die ihren Schmerz angeboten haben, auch in den Projekten gibt es Menschen, die an Krebs leiden, – so konnte ich auch Fawaz treffen und Hama…ich denke, Gott ist am Werk.

Ja, ich habe nur wenig gesehen, aber alle aus unserem Viertel in Homs. Wie viel könnte man hinzufügen aus dem Leben der Leute in Damaskus, Banias…

Ich hätte den Wunsch, dass viele dieser neuen Menschheit begegnen könnten, die Projekte kennen, die auch uns die Herzen öffnen und uns helfen, nicht bei den kleinen Schwierigkeiten stehenzubleiben, auch heute.

Ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, mit eigenen Augen und Händen wahrzunehmen, vor allem aber mit meinem Herzen, dass sich hier etwas Großes verwirklicht, zu dem jeder seinen kleinen oder größeren Teil dazugibt.

Bernhard Keutgens

Anmerkung: Hier sind nähere Infos zu Spendenmöglichkeiten.