
Ernst Bernhardsgrütter (8.12.1939 – 20.7.2026)
Zusammen mit einem Bruder und zwei Schwestern wuchs Ernst auf einem großen Bauernhof im Kanton St.Gallen auf und hatte früh den Wunsch, sich Gott zu schenken. Als einer der ersten Schweizer lernte er 1964 in der Mariapoli in Wattens/Tirol die Fokolar-Bewegung kennen, wurde einer der ersten Fokolare der Schweiz. Sehr bewandert mit Zahlen und im Rechtswesen arbeitete er als Notar. Prägend waren seine direkten Beziehungen mit Chiara Lubich, Chiaretto (Pasquale Foresi), Oreste Basso und Aldo Fons Stedile, wenn diese jährlich zum Urlaub in die Schweiz kamen.
1985 kam Ernst nach Wien, als Mitarbeiter von Antonio Aliffi (Riad), dem ersten Zonenverantwortlichen Österreichs; gleichzeitig übernahm er die Neue Stadt Österreich. Später hat er im Mariapolizentrum im Service und in der Betreuung der Gäste seine Talente eingebracht. Damals machte er auch gesundheitliche Prüfungen durch und musste lernen, Hilfe anzunehmen.
2018 ging er auf eigenen Wunsch ins St. Carolusheim in Wien. Er hatte dort viele Jahre einen Freund besucht und wollte niemand zur Last zu fallen. Wenn es ihm schlecht ging und er mehr Pflege brauchte, hat er sich immer beim Pflegepersonal entschuldigt. So war er durch seine Freundlichkeit und Dankbarkeit allen eine Freude.
Ein besonderer Moment war sein 80. Geburtstag: Die Geschwister reisten aus der Schweiz an; es kam zu bewegenden Momenten und der Aussöhnung über Missverständnisse, die sich aufgebaut hatten. Danach ging es mit der Gesundheit bergab. Er stürzte immer wieder, hat das Zimmer nur mehr selten verlassen, ist aber noch mit dem Rollator durchs Haus gegangen. Mit der Zeit hatte er nicht mehr die Kraft, in die Kapelle zur Messe zu gehen. Er wurde vergesslich und hat Dinge durcheinandergebracht. Wenn aber der Priester mit der Kommunion zu ihm kam, war er plötzlich ganz präsent, hat mitgebetet und war danach wirklich glücklich. Mit einer Schwester unterhielten sie sich oft über ihr Leben mit Gott.
Sein Leben hinterlässt eine Spur der Liebe in vielen Menschen. Chiara hatte ihm dieses Wort des Lebens gegeben: „Er gab die Weisheit denen, die ihn lieben.“ (vgl. Jesus Sirach, 1,10)
Zusammengestellt von Franz Kießling, Johannes Vetter; Foto:privat