Anfang Juli 2026 erlebten rund 150 Teilnehmende aus der französischen und deutschen Schweiz eine Ferienwoche der besonderen Art.

Nach fast eineinhalb Jahren Vorbereitung trafen am 04. Juli 2026 die Teilnehmenden in Leysin (CH/VD) zur gemeinsamen Ferienwoche ein. «Wähle den Dialog», aber wie, wenn mich die Sprache, die Herkunft, die Interessen trennen? Keine leichte Aufgabe und es kam dann auch gelegentlich zu Differenzen und persönlichen Verletzungen. Dabei merkte man aber auch, diese Verletzungen waren gar nicht gewollt, sondern die Reaktion auf die Situation oder die Antwort war zu menschlich ausgefallen. Es war aber sehr beeindruckend, dass in solchen Fällen nicht das Motto «die Zeit heilt alle Wunden» angewandt wurde, sondern dass man als Fehlbare/r aktiv auf den/die Verletzte/n zuging und um Verzeihung bat und die Situation neu klärte.

So entstand eine Woche der Einheit, wo die Liebe zum anderen zu einer Selbstverständlichkeit wurde, wo die Sprache keine Barriere darstellen oder auch die Generationen (vom 9-monatigem Baby bis 88 Jahre) sich spielend vermischten. 

Alle gehen nach dieser Woche mit dem Wissen nach Hause: ”Ich habe eine wunderschöne Ferienwoche in den Schweizer Bergen verbracht, bin aber auch bereit, im Alltag mit meinem aktiven Dialog einen Beitrag für eine friedliche Welt geben zu können.“

Hier noch einige persönliche Eindrücke: 

Eine eritreische Mutter mit ihren 3 Kindern wird vor den Aufzügen angesprochen: Die Kinder sind wieder so hübsch angezogen, kommst du auch dazu, ein bisschen Urlaub zu machen? Die Antwort kam postwendend: Nicht ein bisschen! Ich konnte viel mehr Urlaub machen als jemals zuhause. 

Eine Schweizer Mutter wurde angesprochen, dass ihr Sohn (7) unter den Kindern wie Geschwister gefunden hatte. Man sah sie immer wieder zusammen spielen und brauchten die Eltern nicht. Die Mutter antwortete, dass sie auch überrascht sei, weil der Sohn sonst eher alleine ist und den Zugang zu den anderen Kindern nicht finde. Dies zeigt, dass der Dialog auch unter den Kindern vieles möglich machte.

Eine Teilnehmerin, welche die Bewegung noch nicht kannte, bedankte sich am Schluss herzlichst: Da hat man wirklich eine Woche gespürt, wie ihr die Liebe lebt.

Ein reformiertes Ehepaar nahm zum ersten Mal teil. Die Frau brachte sich musikalisch in die Programmgestaltung ein. Als ich ihr für ihren Einsatz dankte, meinte sie “ich habe mich hier zu Hause gefühlt”.

Bei einem Abendessen dankte eine Teilnehmerin den Küchenchef für das feine Essen, den freundlichen Service und das schöne Richten der Teller. “Was denken Sie, antwortete er, auch wir können die Dinge mit Liebe tun!”

Eine alleinerziehende Mutter, die zum letzten Mal als Teenager an einer Mariapoli teilgenommen hatte und nicht viel mit Religion am Hut hat, meinte: “Ich wusste, dass ich hier wohlwollende Leute begegnen werde. Schade, dass ich nicht eher wieder gekommen bin.”

Ein Beitrag von Bruno Reinprecht. Die Fotos sind von Helen Coombs und Bruno Reinprecht.