Einblicke in die beiden Zentralversammlungen der Fokolarinnen und Fokolare

Direkt im Anschluss an die Generalversammlung fanden vom 24. bis 29. März ebenfalls in Castel Gandolfo die beiden Zentralversammlungen der Fokolarinnen und Fokolare statt. Daran nahmen 148 Fokolarinnen und 129 Fokolare teil. Sie kamen aus sechs christlichen Kirchen und unterschiedlichsten Kulturen. Den ersten Tag lebten sie als Einkehrtag gemeinsam und nahmen durch Berichte von Noreen Lockhart und Flavio Roveré, den beiden bisherigen Zentralverantwortlichen, an wesentlichen Momenten der Erfahrung der Generalversammlung teil. Dann tagten Frauen und Männer in getrennten Versammlungen. Dabei standen inhaltliche Beratungen im Mittelpunkt, die in zwei Schlussdokumente einflossen, die Leitlinien für das Leben in den kommenden Jahren festhalten.

Maria Magerl und Enrico Donzelli (Mitte), die beiden neuen Zentralverantwortlichen, zusammen mit Präsidentin Margaret Karram und Kopräsident Roberto Almada

Weiterer Schwerpunkt waren die Wahlen von neuen Zentralverantwortlichen und ihren Beraterinnen und Beratern. Für die Frauen ist es ein in der D-A-CH-Zone vertrautes Gesicht: Maria Magerl, ehemalige Zonendelegierte. Ihre Erfahrung dieser Tage fasste sie unter anderem so zusammen: „Mir war und ist sehr mein Wort des Lebens präsent: ‚Siehe ich bin die Magd des Herrn.‘“
Für die Männer hat Enrico Donzelli die Aufgabe übernommen. Der Italiener lebte die letzten 27 Jahre in den USA und war dort zuletzt als Zonendelegierter in Washington.


Eindrücke von der Zentralversammlung (ZV) der Fokolare

Markus Thiel, Köln:

„Die ZV wurde mit großer Ernsthaftigkeit vorbereitet und durchgeführt. Bei allem Formalismus herrschte aber ein Geist der Einmütigkeit – trotz so vieler unterschiedlicher Kulturen und Anschauungen der Teilnehmenden. Ein echtes Pfingsterlebnis.

Persönlich war die Begegnung mit Fokolaren aus meiner Zeit in Loppiano eine riesige Bereicherung. Manche von ihnen leben in Ländern, in denen Repressionen und Bedrohungen alltäglich sind. Von ihrem Einsatz für Menschlichkeit und Solidarität so eindrücklich berichtet zu bekommen, hat in mir große Empathie ausgelöst.

Mit den gewählten Vertretern bin ich sehr zufrieden, nicht ganz so mit dem Abschlussdokument. Vor allem, weil in den Arbeitsgruppen viele neue Ideen und Ansätze besprochen wurden, die nicht einfließen konnten. Ich hoffe, dass wir die trotzdem weiter verfolgen und vertiefen können.“

Hans Peter Stasch, München:

„Die ZV war von einer klaren Ausrichtung geprägt: Einheit nicht als Idee, sondern als gelebte Wirklichkeit. Im Zentrum standen erneuerte Hingabe, echte Beziehungen und eine wache Offenheit für die Welt – getragen vom Impuls, unseren Auftrag heute gemeinsam, missionarisch und im Dialog zu leben.
Persönlich habe ich die Schönheit des Charismas neu erspürt und zugleich wurde mir auch die Zerbrechlichkeit des Werkes Mariens bewusst. Gerade darin liegt für mich eine tiefe Einladung: mit Vertrauen und Mut auf diese Schwächen zu schauen – und auch auf jene innerhalb unserer Fokolargemeinschaften. In dieser Spannung ist in mir eine neue Liebe zu diesem/unserem Werk gewachsen.“

Clemens Behr, Zonenzentrum Wien:

„Wir haben an neun verschiedenen Themen gearbeitet – alles ohne Zweifel bedeutende Fragen, aber diese Themenfülle barg auch die Gefahr, uns in Details zu verzetteln. Unserem D-A-CH-Team hat dabei die Verständigung auf eine Grundausrichtung gefehlt: Wo wollen wir hin? Wo wollen wir in fünf oder zehn Jahren sein? Welche Prioritäten setzen wir? Für mich hat dann aber Margaret mit dem, was sie aus ihrem Leben geteilt und uns mitgegeben hat, eine Grundorientierung vermittelt: mit ihrer Sehnsucht, dass wir als Fokolarinnen und Fokolare unsere Berufung wahrhaftig und radikal leben – nicht mittelmäßig, nicht zurückgezogen hinter dem Computer oder Smartphone, sondern das Gemeinschaftliche in den Mittelpunkt stellen, in die Gemeinschaft investieren, in der Verantwortung füreinander leben, ausgerichtet auf den Bruder, die Schwester – zusammen ausgerichtet auf die Mitmenschen mit ihren Nöten um uns herum.“

Die Fokolare, die aus der D-A-CH-Zone bei der Zentralversammlung dabei waren (v. links): Roberto Rossi, Johannes Pfeifer, Markus Thiel, Martin Scherzinger, Clemens Behr, Hans Peter Stasch, Ernst Ulz (auf dem Bild fehlt Werner Peier)

Eindrücke von der Zentralversammlung der Fokolarinnen

Carmen Bauer, Nürnberg:

„Es war Eintauchen in die weltweite Vielfalt, vielfältiger als ich sie je vermutet hätte durch unterschiedliche Kulturen, Erfahrungen im Ideal, Prägungen, Kirchen, Schwerpunktsetzungen. Es tat gut, uns tatsächlich gegenseitig zuzumuten, was nicht immer einfach war. Besonders stark empfand ich, dass wir aus dem D-A-CH uns gegenseitig die Schwerpunkte der einzelnen zu eigen gemacht haben. Da, wo ich schwach war, mir Mut fehlte, etwas anzusprechen, waren es die anderen, die diese Themen eingebracht haben. Eine starke Erfahrung des „einen Leibs“.

Margaret teilte mit uns, was ihr gerade am meisten am Herzen lag. Die Klarheit, Dinge zu benennen und anzugehen, der Mut, manches nicht einfach laufen zu lassen, das Hinhören auf problematische Situationen haben mich tief getroffen, uns in die gemeinsame Verantwortung genommen.“

Sabine Krammel, Zonenzentrum Wien:

„Es war eine sehr intensive, sehr wertvolle Erfahrung und ein großes Geschenk, dabei sein zu dürfen. Alle waren sehr gut vorbereitet und in den Gruppen gab es sehr viel Austausch. Ich war sehr beeindruckt, dass wir trotz der Unterschiedlichkeit in den zentralen Punkten doch sehr einig waren und letztlich weltweit alle die gleichen Bedürfnisse haben.“

Ulrike Egermann, Hamm:

„Ich wusste zuerst gar nicht, was es mir selbst bedeuten mag, dass ich als Evangelische von Noreen die Einladung bekam. Es hat mich durchaus hingezogen. Bei aller Arbeit, die anstrengend war, immer wieder persönliche Statements gefordert und eine große Bandbreite an Meinungen und Prioritäten gezeigt hat, hat das nicht nachgelassen. Allerdings begegnete mir dort am Zentrum auch eine gewisse Schwere und Komplexität und eine scheinbar noch stärkere römisch-katholische Art. Da musste ich mich immer wieder selbst einordnen, manchmal auch abgrenzen. Der Umgang und die Aufmerksamkeit untereinander hat aber stärker gestrahlt als die Dinge, die sich ändern müssen.“

Ruth Kostner, Innsbruck:

„Am ersten Tag habe ich eine sehr persönliche und zugleich gemeinschaftliche Erfahrung gemacht: Wir haben uns bewusst vor Gott gestellt und den Heiligen Geist um sein Wirken gebeten. Ein besonders starker Moment war, als alle eingeladen wurden, sich zwei Fragen zu stellen: „Was möchtest du jetzt Jesus sagen?“ und „Was sagt Jesus jetzt zu dir?“ In der darauffolgenden Stille entstand eine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre – getragen von einer spürbaren göttlichen Präsenz. Auch während der Wahl war diese geistliche Dimension deutlich. Wir saßen im Saal weit auseinander, mussten viel warten. Ich habe die Zeit genutzt, um zu beten, und hatte den Eindruck, dass es vielen ähnlich ging. Diese gemeinsame Haltung des Gebets hat die Situation tief geprägt.

Die Arbeit in den Gruppen war eine intensive Erfahrung des Sich-Schenkens und auch des Loslassens eigener Vorstellungen. Es bedeutete, sich ernsthaft auf die Perspektiven der anderen einzulassen und zu fragen: Warum ist das für sie gerade wichtig?

Das Ergebnis des gemeinsamen Ringens ist ein großartiges Dokument geworden: sehr konkret, ehrlich und es greift tatsächlich die wunden Punkte auf. Jetzt liegt es an uns, uns zu fragen, wie wir das umsetzen können.“

Zusammengestellt von Gabi Ballweg für „Mariapoli, Nachrichten der Fokolar-Bewegung“ 3/2026; Fotos: CSC Audiovisivi (Screenshots); Clemens Behr, Privat